Die Schimpfliste – oder Wie man Muster erkennt

Ich kenne keine Eltern (uns eingeschlossen), die nicht ab und zu mit ihren Kindern schimpfen oder die Stimme mehr erheben als nötig. Selbst dem achtsamsten Papa und der geduldigsten Mama reißt manchmal der Geduldsfaden.

Wir hatten es ja schon mal vom “Moment danach”. Heute wollen wir den Fokus nach vorne verschieben und ganz pragmatisch verstehen, warum wir schimpfen.

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Erfahrungsgemäß schimpfen wir fast immer in ähnlichen Situationen. Zum Beispiel dann, wenn wir, unsere Kinder oder alle zusammen besonders gestresst, müde oder hungrig sind. Oder wenn wir getriggert werden und Glaubenssätze, die wir unser Leben lang als richtig akzeptiert haben, in Frage gestellt werden.

Da Vorsorge bekanntlich die beste Medizin ist, lohnt es sich, Muster zu identifizieren. Auf dieser Basis kannst Du schauen, ob sich diese wiederkehrenden Situationen nicht schon präventiv entschärfen ließen.⁠ Die besten Konflikte sind ja die, die gar nicht erst entstehen 🕊️

Du bist skeptissch? Es gibt den schönen Satz “Was Du nicht messen kannst, kannst Du nicht managen.” 😁

So geht’s

  • Erstelle auf einem Blatt Papier eine Liste, auf der Du Datum, Uhrzeit und den Grund des Schimpfens oder Deiner Wut eintragen kannst
  • Hänge sie an einen Ort, der für Dich leicht zugänglich, aber nicht unbedingt öffentlich ist (vielleicht die Innenseite eines Küchenschranks?) oder lege sie z.B. auf den Nachttisch
  • Lade Deine Partnerin/Deinen Partner ein, sich an der Schimpfliste zu beteiligen. Es hilft, wenn beide an einem Strang ziehen – aber das ist kein Muss. Wenn Du alleinerziehend bist: die Liste gehört ganz alleine Dir 🤗
  • Schreibe eine Woche lang jedes Mal auf, wenn Du schimpfst oder laut wirst oder Dich so richtig über die Kids ärgerst. Am besten notierst Du die Situation so objektiv wie möglich und Deine Bewertung und Gefühle dazu (z.B. “Anton hat mich angeschaut und dann das Glas fallen gelassen. Ich war so wütend, weil ich schon 5 Mal gesagt hatte, dass er es hinstellen soll. Es kann ja nicht sein, dass er einfach nicht auf mich hört!”)
  • Am Ende der Woche: schau Dir die Liste an und analysiere, ob es irgendwelche Muster gibt in den Situationen und/oder in Deiner Reaktion auf gewissen Situationen (z.B. eher abends als morgens; eher dann, wenn es schnell gehen muss; immer, wenn es ums Essen/Aufräumen/Fernsehen geht etc.)


Wenn Du so weit gekommen bis: 🙌🏻 🙌🏽 🙌🏿! Das ist ein ganz schönes Stück Arbeit, weil es erfordert, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen und auf Momente schauen, in denen nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist.

Wenn Du jetzt schon erste Ideen entwickeln kannst, wie Du Situationen vermeiden oder entschärfen kannst: wow! Oder Du wartest damit bis zu unserem nächsten Blogpost zu dem Thema, was zwischen Eintreten einer Situation und dem Vulkanausbruch unsererseits passiert. Und natürlich erfährst Du auch, welche Möglichkeiten wir haben, aus dieser Spirale auszusteigen.


P.S. Wenn Du magst, kannst Du die Kids auch von Anfang an einbeziehen und ihnen erklären, wofür die Schimpfliste gut sein soll. Zum Beispiel, dass Du nicht laut werden möchtest und besser verstehen willst, wie es dazu kommt.

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