Familie als Projekt

Egal, wie man zu seinen Büchern steht, ob man überhaupt schon eines gelesen hat oder ob man Jesper Juul für eine skandinavische Modemarke für Hippster hält: der dänische Familientherapeut hat Dinge aufgeschrieben, die mir das Herz leichter machen.

 

Einen seiner Sätze schauen wir uns heute mal in der praktischen Anwendbarkeit an. Möge es Euch Euch Flügel verleihen…🦋
 

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“Betrachten Sie Ihre Familie als neues und spannendes Projekt, dessen einzelne Teilnehmer nicht von vornherein bestens qualifiziert sind.”

Wow. Jedes Mal, wenn ich den Satz lese, falle die beiden Ziegelsteine, die sich manchmal auf meinen Schultern niederlassen, herunter und ich fühle mich leichter. Ich habe nämlich beschlossen, dass auch nach 5 Jahren Familienleben das Wort “neu” immer noch für uns gilt 😂.

Jesper Juul war nicht unbedingt der Meister des Konkreten. Deshalb haben wir heute 5 Anregungen für Dich, die zum Konzept der Leichtigkeit, der Neugier und des Wachstums passen, die in Jesper Juuls Satz mitschwingen. Zum Ausprobieren, nicht zum Abhaken.

  • Was machen wir als Eltern, als Familie gut? Die lauen Frühlingsabende kommen wieder. Perfekt, um bei einem Glas Wein, egal ob mit Partner*in oder Freund*in, virtuell oder reell, zu überlegen, was bei Euch richtig gut läuft im Familienleben. Wo ist Flow, wann ist es easy? Was ist besser als noch vor 1, 2 oder 3 Jahren – oder anders? Und wenn Du magst, frag Dich auch, in welchem Bereich Ihr noch wachsen wollt
  • Loslassen. Wir Eltern wollen so oft so viel. Von uns und auch von unseren Kindern: dass sie sich die Zähne putzen, 1x pro Woche baden (oder lieber 1x am Tag?), dass sie nicht 5 Tage das gleiche Spiderman-Shirt anhaben, dass sie nicht 3x am Tag Müsli essen. Bevor sich die Konflikte festfahren und es eisern wird: lass los. Kein Kind stirbt, wenn es ein paar Tage mal nicht das macht, was normalerweise die Regel ist. Meistens, meistens, ist der Ausnahmezustand eher nach Stunden denn nach Wochen vorbei
  • Tägliche Dankbarkeit: wenn Du schon mal irgendetwas mit Achtsamkeit zu tun hattest, wirst Du wahrscheinlich am Thema Dankbarkeit vorbeigekommen sein 🙏🏻. Ausgelutscht? Ich würde sagen, es ist wie das Sonnenlicht. 2 Minuten Dankbarkeit jeden Tag helfen, auch wenn man es jahrelang praktiziert. Umzusetzen zum Beispiel beim ersten Kaffee oder Tee. Unter der Dusche. Beim Wecken der Kinder (erm, wenn sie nicht Dich wecken). Wenn Du es noch mehr Verankern willst: es gibt sehr schöne Dankbarkeitstagebücher – und natürlich auch Apps dafür
  • Karlsson-vom-Dach-Einstellung: vieles von dem Schabernack, den unsere Kinder treiben, ist, für sich genommen, nicht wirklich schlimm: Schokostückchen aus dem Müsli picken, Bad fluten, Wand bemalen, Blätter rupfen…Wenn Du es bei anderen Familien beobachten würdest, wärst Du wahrscheinlich weder erschrocken noch verärgert, sondern amüsiert (ok…ein bisschen schadenfroh, dass es auch anderen so geht 😜). Ich nenne es die Karlsson-vom-Dach-Einstellung: “Das stört keinen großen Geist.” Diese Einstellung ist ein unendliches Wachstumsfeld und bei wenig Schlaf oder viel Stress manchmal auch unmöglich. Aber wenn sie gelingt, dann ist es so, als würde man fliegen – eben wie Karlsson vom Dach
  • Was ist toll an unseren Kindern, was können sie schon richtig gut? Die meisten von uns tendieren dazu, das zu sehen, was unsere Kinder noch nicht können oder nicht gut machen: zappeln, Wasser umschütten, nicht aufessen – diese Liste alleine für das Mittagessen könnte man fortsetzen. Muss man aber nicht. Dreh den Fokus um: Was machen Deine Kinder so richtig gut? Woran haben sie Freude? Was gelingt ihnen alles an einem normalen Tag? Am besten für jedes Kind getrennt besprechen und vielleicht sogar aufschreiben, als kleiner Schatz für die Zeiten, wo der Stress überhand nimmt

     

Auch ich sehne mich nach etwas Leichtigkeit gen Ende der 8. Woche der Ausgangsbeschränkungen. Und freue mich daher umso mehr darauf, dass die Museen bald wieder öffnen. Denn “Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele”, sagte schon Picasso.

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