Kindliche Wortausbrüche – oder “Du Kackwurst-Papa”

“Du blöde Mama!” oder “Wenn ich nicht Fernseh gucken darf, ruf ich die Polizei und die holt Dich ab!” Huch. Im Normalfall würde ich das vielleicht als Nacherzählung aus dem Kindergarten abtun und vielleicht noch ein “Echt?” hinterher schieben. Aber den Kindergarten besuchen sie ja nun schon seit 7 Wochen nicht mehr 🤔

Wie geht man also um mit den kindlichen Wortausbrüchen?
 

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Irgendetwas passt Deinem Kind nicht und statt eines Wutanfalls kommen Sätze wie “Du Kackwurst-Papa”, “Dann rufe ich die Polizei und Du musst ins Gefängnis” oder “Ich hasse Dich”. Das kann uns Eltern ganz schön erschrecken, verletzen, verwirren oder auch wütend machen.

Vielleicht ein wenig Seelenbalsam vorweg 🤗: Deine Kinder wollen Dich nicht verletzen. Sie wollen Dich auch nicht bewusst provozieren – Provokation ist ein ziemlich komplexer Vorgang, der ein großes Maß an Menschenkenntnis benötigt. Wie so oft: “Das Kind macht das nicht GEGEN Dich. Es macht es FÜR sich.” ⁠

Aber was ist es denn dann? Es könnte Neugier sein, wie Du auf diese Wörter reagierst. Es könnte ein Gefühl der Ohnmacht sein, das Dein Kind spürt. Es könnte sein, dass es gerade keine andere Strategie weiß, um mit der Situation umzugehen. Oder aber es ist verletzt, weil davor Worte gefallen sind, die es sehr getroffen haben.

Hier sind unsere konkreten Tipps für Dich, wie Du mit der Situation, den Kindern und Dir umgehen kannst:

  1. Erst mal genau hinhören: nicht bei jedem dahin gegrummelten “Du bist doof” ist ein tiefgehendes Gespräch nötig. Manchmal hilft es auch, die Ohren auf Durchzug zu stellen. Vor allem, wenn Dein Kind sich kurz nach dem Wortausbruch in Verbindung mit Dir zeigt oder mit den Geschwistern spielt. Dann hat es seine Emotionen selbst reguliert. Wunder geschehen 😉
  2. Darauf eingehen: in Fällen, wo die Aussage klar, direkt, wiederholt kommt: hinschauen, zuhören, ins Gespräch gehen. Nicht einfach ignorieren, denn damit ignorierst Du das Verhalten und auch die Ursache dahinter. Und Dein Kind lernt keine besseren Strategien, mit unerfüllten Bedürfnissen umzugehen
  3. Türöffner verwenden: was sagt man also zu einem sichtlich erregten Kind? Tief durchatmen, all Deine Empathiefähigkeit zusammennehmen und z.B. erwidern “Aha”, “Wirklich?”, “Ui, da scheint Dich etwas zu ärgern…” und dann abzuwarten, was kommt. Dein Kind wird sich mitteilen, wenn es Dein wertfreies Interesse spürt. Und wenn nicht: abwarten. Ein Gespräch kann man nicht erzwingen
  4. Aktives Zuhören einsetzen: Thomas Gordon hat die Methode schon in den 70er Jahren im Rahmen seines Buchs “Familienkonferenz” eingeführt. Es geht darum, durch wertfreies Zuhören und empathisches Zurückmelden der gehörten Botschaft dem Kern des Problems näher zu kommen. Ein kleines Beispiel aus dem Alltag findest Du am Ende des Daily Quarantini 🔻
  5. Notfallstrategie: wenn Du gerade keine Kraft für die anderen Strategien hast, kannst Du Deinem Kind gegenüber auch ausdrücken, dass es Dir gerade zu viel ist. Zum Beispiel: “Moment, Stopp mal. Ich brauche kurz eine Pause und dann reden wir nochmal.” Wenn es Dir hilft, dann geh kurz auf den Balkon oder in ein anderes Zimmer

    Wir sagen einfach jetzt schon mal: Du wirst das gut machen! Und Du bist die beste Mama oder der beste Papa für Deine Kinder ❤️

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    Beispiel für aktives Zuhören
    Sohn: “Dann rufe ich die Polizei und Du musst ins Gefängnis.”
    Du: “Oha!” (Türöffner)
    Sohn: “Ja, dann kommst Du nie wieder!”
    Du: “Es scheint Dich ja etwas mächtig zu ärgern…” (Türöffner Nr. 2)
    Sohn: “Ich will nicht Pumuckl gucken. ICH WILL PAW PATROL GUCKEN!”
    Du: “Ui, und das, obwohl es beim Pumuckl immer so viel Schabernack gibt.” (hm, nun ja, eher meine Meinung als empathisches Zuhören)
    Sohn: “Nein, nein, nein. Da passiert überhaupt nix! Das ist überhaupt nicht lustig!”
    Du: “Wenn Du also schon Fernsehgucken darfst, dann soll da so richtig etwas abgehen?” (Botschaft zurückmelden)
    Sohn: “JA! Und außerdem will ich aussuchen!”
    Du: “Es geht Dir darum, dass Du mitbestimmen willst, welche Sendung Du gucken darfst?”(Botschaft zurückmelden Nr. 2)​
    Sohn. “JA! Sag ich doch die ganze Zeit.”

    Es gibt natürlich keine Garantie, dass es jetzt nicht wieder auf Paw Patrol hinausläuft 🙈. Aber zumindest hast Du mit dem Verständnis, dass es Deinem Kind um Autonomie geht, ein etwas breiteres Lösungsfeld geschaffen.

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