Stress lass nach – Vom Ja zum Nein

“Könntest Du bitte noch….” oder “Lass uns unbedingt telefonieren…” oder “Ich bräuchte bitte bis heute Nachmittag…”. Neben all den Dingen, die wir sowieso schon auf unserer Liste haben, werden jeden Tag gefühlt 100 kleine Fragen, Aufgaben, Projekte, To-Dos an uns herangetragen. Egal, ob es der Kuchen ist, der gebacken werden soll, die Webseite, die noch schnell aktualisiert werden muss – die Liste ließe sich ewig fortsetzen.
 
Eine Strategie für weniger Stress im Leben: Nein sagen (lernen) 🙅. Wir haben 3 Tipps dazu.
 

Nein sagen bedeutet: Ja sagen zu etwas anderem

Unser Leben ist ganz schön voll. Je mehr wir unter Strom stehen, weil immer noch etwas zu tun ist und wir das Gefühl haben, es eh nicht alles zu schaffen, desto weniger haben wir emotionale Kapazität für das total normale Verhalten unserer Kinder. Dabei ist es gleich, ob Homeoffice,  Homeschooling oder einfach nur der Haushalt uns stresst: jede*r von uns fühlt das sehr subjektiv.
 
Nein sagen bedeutet Ja sagen zu etwas anderem, zum Beispiel Ja zu Zeit mit und für uns selbst oder mehr Zeit mit unserer Familie. Wenn wir eine engere Verbindung zu uns und den Kids haben, flutscht es einfach besser. Aber für Verbindung brauchen wir Zeit und dafür müssen wir manchmal Nein zu anderen Dingen sagen. 
  

Hier sind unsere 3 Tipps dazu:

  1. Antwort verschieben: wir müssen nicht immer sofort antworten. “Könntest Du den Zoom-Call organisieren und moderieren?” Vor allem, wenn unser Reflex im Normalfall ist, sofort zu bejahen, ob obwohl wir innerlich gar nicht wissen, wie wir das (auch) noch schaffen sollen, hilft es, Bedenkzeit einzufordern. Egal, ob die Kollegen oder die Kids fragen. In einigen Fällen reicht allein die Verschiebung der Antwort auch, dass die Anliegen sich in Luft auflösen 😉
  2. Die 90% Regel: Rolf Dobelli schreibt in seinem sehr lesenswerten Buch “Die Kunst des guten Lebens”, dass er es sich zur Regel gemacht hat, auf berufliche Sonderprojekte, Bitten und Anfragen in der Regel mit Nein zu antworten, um sein spontanes Ja, das er später bereut, um überlisten. Er geht dabei von der Annahme aus, dass 90% der Anfragen bei der genauen Betrachtung nicht so wichtig sind, als dass sie die Zeit und den Aufwand wert wären
  3. Gemeinsam priorisieren: die Kids wollen eine halbe Stunde vor Schlafenszeit noch ein Geschenk für die Oma malen? Die Chefin braucht heute noch die Endfassung der Präsentation, statt morgen, wie eigentlich vereinbart 🤷🏻‍♀️? Es hilft, gemeinsam zu priorisieren und den anderen in die Lösungsfindung einzubeziehen. Bei den Kids könnte das heißen “Tolle Idee, die Oma würde sich riesig freuen. Habt ihr eine Idee, wie wir das schaffen, so dass ihr trotzdem in einer halben Stunde im Bett liegt?” Bei der Chefin vielleicht so: “Ich verstehe, dass das dringend ist. Ich habe heute noch x Sachen geplant. Könnten wir gemeinsam überlegen, was am wichtigsten ist und was ich schieben kann?” 

Der radikalere Ansatz

Cal Newport, der erfolgreiche Wissenschaftler und Autor von “Deep Work”, hat noch eine etwas radikalere Idee des Nein-Sagens: er schlägt vor, Emails nicht (sofort) zu beantworten. Emails sind die To-Do-Liste, die andere Leute für Dich definieren, also darf man sich, mit wenigen Ausnahmen, auch Zeit lassen, darauf einzugehen. 
 
Egal, ob das für Dich eine Option ist oder nicht: es ist meist einfacher, aus einem anfänglichen Nein ein Ja zu machen als umgekehrt.

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