Unsere Rolle als Eltern

Heute ist ein besonderer Tag für mich: vor fünf Jahren kamen unsere Zwillinge zur Welt. Etwas zu früh, ganz klein und leicht und zum Glück gesund. Es klingt immer so pathetisch, wenn Menschen sagen: Eltern sein ist eine Reise zu Dir selbst. Daher versuche ich es jetzt ganz nüchtern: Eltern sein ist eine Reise zu Dir selbst 😉.

Oft habe ich in den letzten Jahren gehört, dass ich einfach auf meinen Bauch hören soll, wenn es um Erziehungsthemen, Familienleben und Elternsein geht. Ich habe für mich herausgefunden, dass mir das nicht reicht und halte es eher mit der modernen Hirnforschung 🤩: sie geht davon aus, dass Intuition und bewusstes Nachdenken sich im besten Fall ergänzen.

Deshalb machen wir FamilyPunk: Nicht, um die Intuition zu ersetzen, sondern um das Wissensfundament zu erweitern, auf dem das Bauchgefühl aufbauen kann.

Heute widmen wir uns zur Feier des Tages einer “einfachen” Frage: was ist denn eigentlich die Rolle von uns Eltern?

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Mir hat vor 5 Jahren niemand eine Blaupause in die Hand gedrückt und gesagt: “Schau, so geht das mit dem Elternsein.” Zum Thema Schwangerschaft und Geburt ja, aber spätestens nach einem Jahr, als Hebamme, Rückbildungskurs und die eng getakteten Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen langsam nachließen, waren wir auf uns gestellt. Alle Eltern in meinem Umkreis haben an einem Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen (uns inklusive), aber ich kenne nur eine Mutter, die einen Elternkurs besucht hat 🤔.

Your PART – Unsere vier Aufgaben als Eltern               

Kein Wunder, dass Julie Morgenstern, eine amerikanische Expertin für Organisation und Zeitmanagement, mit ihrem pragmatischen Buch über den Elternalltag so erfolgreich ist. Sie hat ein Konzept entwickelt, demzufolge wir Eltern vier Aufgaben zu erfüllen haben: unseren PART.

PART steht für

  • P = Provide (Geld verdienen, um ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung und Teilhabe sicherzustellen)
  • A = Arrange (all die 1.000 kleinen Orga-Dinge fürs Familienleben)
  • R = Relate (Bindung, Baby: Beziehung, Nähe, Zuhören, Spielen)
  • T = Teach (Zusammenhänge erklären, Fähigkeiten beibringen, Werte vermitteln)

Ich fand es extrem spannend, aufgedröselt zu sehen, was wir den lieben langen Tag als Eltern machen und meine Präferenzen und “sweet spots” zu erkennen. Diese Struktur hilft mir, den Mental Load etwas zu bändigen – zumindest habe ich jetzt eine Schublade, in die ich das To-Do oder die Sorge stecken kann 🤷🏻‍♀️.

Nicht alle dieser Aktivitäten sind übrigens für die Kinder sichtbar: das Einkommen zu erwirtschaften und die Organisation, die die Familie zusammenhält, erledigen wir normalerweise ohne die Kinder, vor allem, wenn sie noch klein sind. Verbinden und Vermitteln hingegen sind für unsere Kinder sehr spürbar und erlebbar.

Für jeden von uns ist die natürliche Balance zwischen diesen vier Aufgaben etwas anders, aber ein bißchen etwas von allem ist notwendig, damit das Familienleben läuft.

Wo stehst Du?

Nimm Dir doch jetzt gleich 5 Minuten und überlege Dir:

  1. Wie geht es Dir gerade in Bezug auf die vier Dimensionen (z.B. Arbeitsleben – err, Corona?, Organisation – läuft, immer! Verbindung – am meisten verbunden bin ich den Kids, wenn sie gerade eingeschlafen sind…👼, Vermitteln – ich kann Homeschooling nicht mehr sehen)
  2. Welche der Aufgaben fällt Dir am leichtesten? In welcher Rolle/welchen Rollen erlebt Du Dich als selbstwirksam?
  3. In welchem Bereich verbringst Du wie viel Zeit und fühlt sich das genau richtig an, oder zu viel oder zu wenig?
  4. Für welche Aufgabe hättest Du gerne mehr Unterstützung? Weißt Du, wo Du sie herbekommen kannst?
  5. Wenn Du auf eine Dimension mehr Augenmerk legen könntest: welche wäre das und wäre würdest Du gerne tun?

Am besten schreibst Du Dir Deine Erkenntnisse auf, so dass Du sie immer mal wieder vor Augen hast. Besonders die Antwort zur letzten Frage. Mehr zu den vier Dimensionen kommt in den nächsten Wochen!

 
 

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