“Selber machen!”

“Selber machen!” Eigentlich der schönste Satz! Wenn die Kids anfangen, Dinge selbst machen zu wollen, heißt das für uns Eltern mittelfristig: weniger zu tun. Wenn sie sich nur nicht ausgerechnet so oft Dinge aussuchen würden, die ein hohes Gefahrenpotenzial oder mindestens die Gefahr eines mittleren Chaos bergen 🤷🏻‍♀️.

Wir haben heute in unserem Blog ein paar ganz konkrete Ideen, wie Du die Selbstwirksamkeit Deines Kindes unterstützen und damit den einen oder anderen Machtkampf umgehen kannst.

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Der kindliche Autonomiespeicher 

Kinder haben, wie alle Menschen, drei sehr grundlegende Bedürfnisse: Verbundenheit, Zugehörigkeit und Bedeutsamkeit. Sagte Alfred Adler, ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte und forschte.

Und was brauchen Kinder, damit sie Zugehörigkeit, Verbundenheit und Bedeutsamkeit fühlen? Ihre beiden Speicher Aufmerksamkeit und Autonomie müssen gut und positiv gefüllt sein. Dann läuft der Alltag besser. Nicht perfekt. Aber besser👌.

Eine Strategie, um den kindlichen Autonomiespeicher zu füllen, ist es, den Kindern über den ganzen Tag verteilt viele Möglichkeiten anzubieten, eigene positive Entscheidungen zu treffen und sich bedeutsam und selbstwirksam zu fühlen. Dein Kind spürt: Ich kann was! Ich habe Einfluss! Ich bin stark! Ich kann was bewegen 💪🏻💪🏽💪🏿!

Warum ist das wichtig?

  • Jeder braucht das Gefühl von Entscheidungsfreiheit und Kontrolle über sein eigenes Leben, egal ob Kleinkinder, Mitarbeiter*innen oder Senioren. Sonst fühlen wir uns ohnmächtig und bedeutungslos, ja manchmal sogar komplett machtlos
  • Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, können sehr unterschiedliche, negative Gefühle entstehen. Kleine oder größere Machtspiele, die Du bestimmt auch kennst, können die Folge sein
  • Unsere Kinder werden so schnell groß und ehe wir uns versehen, müssen sie all ihre Entscheidungen selbst treffen. Daher ist es wichtig, dass sie so früh wie möglich lernen, gute Entscheidungen zu treffen

Wir haben heute 10 Tipps, wie Du durch kleine, strukturelle Veränderungen die Selbstwirksamkeit Deiner Kids fördern kannst. Die Liste ist eher als Anregung gedacht – vielleicht machst Du vieles schon, vielleicht kannst Du noch die eine oder andere Inspiration mitnehmen. Es geht auch nicht darum, alles umzusetzen, sondern im Alltag die Autonomie der Kinder mitzubedenken:

Küche

  • Wasserspender aufstellen: Gerade für kleinere Kinder, die noch nicht an den Wasserhahn kommen, extrem hilfreich. 1x täglich gefüllt, spart er uns viel Zeit und den Kindern das Fragen
  • Kindgerechtes Schneidemesser kaufen: Dein Kind will auch immer mitmachen beim Kochen? Super, eigentlich. Mit einem Kinderschneidemesser mit Fingerschutz kannst Du das auch eher zulassen
  • Ausreichend Hocker bereithalten: Töpfe sind einfach per se spannend 🙈. Klar, wenn die Nase gerade mal bis zur Arbeitsplatte reicht und es immer ein Geheimnis ist, was da oben brutzelt. Hocker, die Kinder sich selbst nehmen können, um zu gucken oder mitzuhelfen, überbrücken die fehlenden 20-40 Zentimeter. Klar, aufpassen müssen wir Eltern trotzdem
  • Frühstück kindgerecht positionieren: “Mama, ich habe schon mal Frühstück gemacht!” Was wünschen wir uns diesen Tag herbei. Es hilft, wenn Dein Kind an die Zutaten rankommt 🤔. Z.B. Müsli, Schalen und Besteck auf Höhe der Kinderhände positionieren

Essen

  • Gemeinsam Essensplan machen: wenn Du die Mahlzeiten im Voraus planst, einfach die Kids mit entscheiden lassen, vielleicht aus einer Liste von 10-15 Standardgerichten. Und wenn es spontan ist: Tomatensoße oder Pesto, Rührei oder Spiegelei? Gleicher Aufwand, großer Effekt
  • Selber nehmen lassen beim Essen: der Essenstisch ist ja so ein großes (Schlacht)Feld für Machtkämpfe. Ein Weg, das zu umgehen, ist es, Kinder selber nehmen zu lassen statt aufzutun. Und wenn so gar nichts Essbares für sie dabei ist, können sie sich (selbst) ein Brot nehmen
  • Selber würzen lassen: Dein leckeres Essen dem Salz- oder Pfefferstreuer ausliefern? Oder noch schlimmer: der Ketchupflasche? Was wäre, wenn die Kids es noch lieber essen würden, wenn sie es selbst gewürzt haben? Ein Versuch ist es wert

Allgemein

  • Verschiedene Sorten/Farben kaufen oder selber machen: einige Dinge werden ja nicht schlecht. Badetabletten zum Beispiel. Glücklicherweise gibt es sie in verschiedenen Farben. So kann jedes Kind entscheiden, welche Farbe heute die beste ist. Auf alle Bereiche anwendbar, wo es verschiedene Ausprägungen gibt
  • Vom Kindergarten abgucken, welche Spielsachen erreichbar sind: sehr vage habe ich noch Erinnerungen an die Gruppenräume im Kindergarten. Ich weiß aber noch, dass dort Wasserfarben erreichbar sind. Waren sie bei uns lange nicht, bis meine Kids meinten, dass das ja viel einfacher sei, wenn sie sie selbst herausholen könnten
  • Reihenfolge bei Ritualen selbst bestimmen lassen: Kinder wissen ja irgendwann dann doch, was passieren muss, bevor man z.B. aus dem Haus kann oder bevor die Gutenacht-Geschichte kommt. Hier schadet es nicht, sie die Reihenfolge selbst entscheiden zu lassen, statt immer die gleiche Abfolge durchsetzen zu müssen

Eine Welt voller Wahlmöglichkeiten zwingt uns Eltern dazu, genau zu wählen, wann es sich lohnt mit dem Kind über etwas zu streiten und wann Kids etwas selbst entscheiden oder machen können. Klar, ist das kurzfristig vielleicht erst mal anstrengender. Aber so kommt der Tag, wo wir morgens mit Frühstück und frischen Kaffee von unseren Kindern geweckt werden, vielleicht ein wenig schneller ☕.

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