Gut gegen Wut

Ein Vulkanausbruch in der Natur kündigt sich meistens an, durch messbare Phänomene 🌋. In der Familie ist es oft genauso und wenn wir es schaffen, die Zeichen zu sehen, haben wir die Möglichkeit, gegenzusteuern. Natürlich wäre es am allerbesten, wenn es gar nicht erst zu familiären Vorbeben käme. Aber manchmal ist es eben nicht wie bei “Wünsch Dir was.” Wie Du Deinen eigenen temperamentvollen Auftritt vermeidest, dazu ein paar konkrete Ideen.                                                                           

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Du hast ignoriert. Hast spielerisch reagiert und zu guter Letzt klar, kommuniziert. Und trotzdem geht ein kindliches Verhalten weiter, das Dich total auf die Palme bringt. Der Herzschlag wird schneller, vielleicht wird Dir warm, der Atem stockt – und gleich läuft das Fass über. Eine Zurechtweisung, ein scharfer Ton, vielleicht auch ein Brüller folgen 😠👿.

Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, können wir vorbeugen. Aber manchmal hilft alles nichts. Kurz vor knapp ist es unsere Aufgabe als Eltern, uns selbst zu regulieren, um sinnvoll (und liebevoll) zu intervenieren. Es geht nicht darum, Gefühle wegzudrücken, sondern eher darum, Wut, Ärger oder Frustration nicht zur Leitplanke unseres Verhaltens werden zu lassen.

Die beliebte Formal “Zähl doch bis 10” mag ja sinnvoll sein – aber sie hilft nicht (immer) 🤷🏻‍♀️. Wir haben 8 alternative Notfallanker für Dich. Auch sie benötigen allerdings ein Gespür, welcher für Dich der richtige sein könnte – und ein wenig Übung:

  1. Atmen: “Es gibt nichts, was nicht nach 3 Mal tief ein und ausatmen besser wäre”, sagte mein Yogalehrer mal zu mir. Word. Wem das zu simpel ist, nimmt die Box-Technik, die wohl auch die U.S. Navy Seals anwenden: einatmen auf 4, halten auf 4, ausatmen auf 4, halten auf 4 und wieder von vorne
  2. Klopfen: eine Technik aus der Therapie gegen Panikattacken, die sogenannte Emotional Freedom Technique. Man klopft dabei sanft 10-15 Mal mit Zeige- und Ringfinger auf verschiedene Akupressurpunkte, z.B. direkt unterhalb des rechten Schlüsselbeins. Studien haben ergeben, dass die Punkte an sich gar nicht so wichtig sind – egal ob Wangenknochen, Stirn, Arm. Hauptsache, Du klopfst
  3. Luft holen: Du gehst raus an die Luft (Balkon, Garten) oder lässt die Luft rein in die Wohnung. Alternativ: die Kinder eine Runde zum Rennen, Vögel gucken, Regenwürmer finden oder was auch immer auf den Balkon oder in den Garten schicken
  4. Summen, Singen, Wiegen: wenn Du kurz vor dem Explodieren bist, mag Selbstfürsorge etwas seltsam anmuten. Ein Kind würdest Du aber wahrscheinlich zu beruhigen versuchen. Auch wenn diese drei Techniken sich im ersten Moment komisch anfühlen: meine eigenen Erfahrung auf mehreren Langstreckenflügen mit 3 Kindern und vielen Turbulenzen zeigen, dass sie funktionieren
  5. Musik: statt Dich aufzudrehen, lieber Radio oder Deine Lieblingsmusik anmachen. Hat auch den Vorteil, dass Du für einen Moment keine anderen Geräusche mehr hörst
  6. Woanders brüllen: Sheila McCraith, die amerikanische Autorin von “Erziehen ohne auszurasten” brüllte laut ihrem Buch früher öfter mal ins Klo anstatt ihre Kinder anzuschreien. Auch Garderobe oder Schränke eignen sich dafür, vielleicht noch besser, wegen des Schallschutzes
  7. Stressbälle: manchmal würde ich gerne einen kleinen Boxsack im Flur installieren. So einen aus den Filmen, die sich dann immer ganz schnell bewegen, wenn man dagegen haut. Stattdessen helfen auch Anti-Stressbälle, strategisch immer wieder dort positioniert, wo es leicht brenzlig wird: Flur, Küche, Bad, Kinderzimmer, Wohnzimmer
  8. Notfallkoffer packen: Du erinnerst Dich vielleicht noch an den Klinikkoffer, der schon Wochen vor Geburt fertig gepackt rumstand? Pack den Notfallkoffer für das Hier und Jetzt. Mit ein paar Dingen, die Dich beruhigen, egal, ob Erinnerungsstücke, Fotos oder Schokolade. Hauptsache, er ist stets griffbereit

Noch nicht überzeugt, wozu das alles gut sein soll? Tu’s für Dich 🤗. Wutausbrüche sind nämlich nachweislich ungesund und können das Herzinfarktrisiko erhöhen.

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