Wie lobe ich mein Kind richtig?

“Du bist soo toll!” Wer sehnt sich nicht nach ein bisschen Lob, ein paar Streicheleinheiten für die Seele 🤗? Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis, das wir alle kennen – und vielleicht auch das Gefühl, wenn es so gar nicht erfüllt wird. Ein hohes Maß an Anstrengung, ohne dafür gesehen oder gewertschätzt zu werden, kann in den Burnout führen, sagen Mediziner. Also immer schön viel loben?

 
Ganz so einfach ist es nicht, vor allem nicht, wenn es sich um Lob für die Kids handelt. Denn die Art und Weise, wie wir loben, trägt zur Entwicklung unserer Kinder und zu ihrem Bewertungssystem entscheidend bei. Heute geht es darum, wie wir unseren Kindern Anerkennung und unsere Liebe zeigen können, ohne sie darauf zu konditionieren.
 

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Anerkennung löst Glücksgefühle aus. So schön diese Gefühle auch sein mögen, sie haben auch eine Kehrseite: die Abhängigkeit von äußerer Anerkennung. Glücksgefühle entstehen dann nicht mehr von innen, sondern sind an äußere Bestätigung geknüpft.

Kinder, die noch viel offener für neue Lernerfahrungen sind als Erwachsene, werden auch an dieser Stelle durch uns Eltern geprägt. Sie eignen sich Verhaltensweisen an, die schnell und einfach zu Glücksgefühlen führen: wenn Mama oder Papa mich fürs Bilder malen überschwänglich loben, male ich halt noch ein Bild, auch wenn ich das Blatt Papier eigentlich lieber zerschneiden würde ✂️.

Aufrichtig loben statt übertreiben

Alfie Kohn, ein amerikanischer Erziehungswissenschaftler, hat einige Kehrseiten von überschwänglichem Lob für Kinder zusammentragen, die von wissenschaftlichen Studien belegt wurden:
 
  • Es kann Kinder manipulieren und ihre Sehnsucht nach Bestätigung von außen verstärken

  • Kinder, die viel Lob erhalten, haben weniger Anreiz, einen eigenen Bewertungsmaßstab für das, was gut, ok oder nicht angemessen ist, ausbilden

  • Lob kann das Interesse an einer Aktivität auf das Erhalten des Lobs (oder eines Stickers o.ä.) reduzieren statt auf den eigenen Lernerfolg

Auch Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und Autor meint, dass die Überzeugung, dass positive Bewertungen immer gut für Kinder sind, ist “eine durch nichts bewiesene Annahme” sei.

Heißt das jetzt, dass wir unseren Kindern nicht mehr zeigen sollen, dass wir stolz auf sie sind oder sie durch positive Kommentare in ihrem Weg bestärken? Natürlich nicht. Es geht eher darum, aufrichtig und nicht übertrieben zu loben, Bewertungen außen vor zu lassen und explizit zu benennen, was bei uns Eltern positive Gefühle wie Freude, Stolz oder Bewunderung auslöst. Das Zauberwort heißt: beschreibendes Lob.

So gehts:

  1. Beschreibe, was ist: “Du hast Dich alleine angezogen.” oder “Du hast die Karotten kleingeschnitten. Jetzt kann ich sie in die Suppe geben.” oder “Du bist nach ganz oben geklettert, ich kann Dich kaum mehr sehen.”
  2. Benenne den Prozess und nicht nur das Ergebnis: “Ich habe gesehen, dass Du ganz schön lang die Bügelperlen gesteckt hast.” oder “Da hast Du viele verschiedene Farben gemischt, um zu dem Ergebnis zu kommen.”
  3. Bezeichne die Kompetenz, die zum Ergebnis geführt hat: “Du warst ganz schön mutig beim Klettern heute.” oder “Du hast Dir viel Mühe gegeben, nicht über die Ränder zu malen.”
  4. Frag nach statt zu loben: “Was hat Dir besonders Spaß dabei gemacht?” oder “Was war am schwierigsten bei diesem Bild?” oder “Wie hast Du es geschafft, so hoch zu klettern?” oder “Wie gefällt Dir Deine (selbstgemachte) Frisur?”
  5. Nonverbale Zeichen: eine Umarmung, ein Lächeln, eine kleine Berührung können auch ausdrücken: ich sehe Dich, ich nehme wahr, was Du machst

Kinder brauchen Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe ❤️– um ihrer selbst willen. Nicht für eine Leistung, ein besonders schön gemaltes Bild oder eine brav hingehaltene Hand. 

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