Streiten lernen

Tada, da sind wir wieder mit unserem Blog. Wir haben die schöpferische Pause der letzten Tage genutzt, uns das Feedback und die Themenwünsche anzuschauen, das ihr uns in den letzten Wochen geschickt habt 🙏🏻🙏🏽🙏🏿. Eine Fragestellung kam immer wieder auf: wie geht man am besten um mit Geschwisterstreit?

Auch bei uns ein Dauerbrenner. Kein Wunder, verbringen Geschwister laut einer Studie ein Drittel ihrer Zeit bis zum 11. Lebensjahr miteinander – mehr Zeit als jeweils mit ihren Eltern, Freunden oder allein.
 

Zeit also, sich dem Thema in unserem Blog zu widmen. Und für die Eltern der Einzelkinder: unsere Tipps helfen auch bei Streit unter Freund*innen, auf dem Spielplatz oder bald auch wieder in der Kita 🚸

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Die allermeisten Geschwisterkinder streiten. Viel. Amerikanische Forscher haben festgestellt, dass Kinder zwischen 3 und 7 Jahren sich im Schnitt 3,5 Mal pro Stunde (!) streiten, Kinder im Alter von 2-4 Jahren sogar 6,3 Mal. Ich will das lieber nicht auf einen normalen Nachmittag hochrechnen 😂. Statistisch gesehen streiten sich Geschwister übrigens besonders dann viel, wenn der Altersunterschied nur 1-2 Jahre beträgt oder sie das gleiche Geschlecht haben 🤷🏻‍♀️.

Geschwisterstreit als Trainingslager für das echte Leben 

In ruhigen Momenten hilft es, sich klarzumachen, dass es sich in einem gewissen Rahmen auswächst. Dass Geschwisterstreit vor allem in intakten Familien vorkommt und dass er wie ein Trainingslager fürs echte Leben ist: Kinder lernen verhandeln, Regeln ausmachen und verschiedene Lösungen ausprobieren. Aber es ist ein Lernprozess, kein Lernmoment und dieser Prozess kostet Nerven. Vor allem unsere 🙄.

Streiten will gelernt sein. Auch ältere Kinder im Kindergarten und in der Nachbarschaft können positiv “erzieherisch” wirken, aber die Streitkultur wird vor allem durch familiäre Kommunikationsmuster geprägt. Es kann also sein, dass wir den Nachmittag, den wir uns so schön mit backen, gemütlich Kuchen essen und Planschbecken vorgestellt hatten, damit verbringen, auf dem Boden sitzend Konflikte zu lösen. Und der Hefeteig irgendwann aus Frust in sich zusammensackt.

Wir können Streit unter Geschwistern nicht auf Knopfdruck wegzaubern. Aber wir können ihm mit ein paar Hacks begegnen und mit dem Wissen: ich kann lernen, meine Kinder beim Streiten zu begleiten.

Unsere Tipps:

  • Muster erkennen: weißt Du, wie oft sich Deine Kids streiten und wann? Vielleicht sogar, worüber und wer mit wem? Es hilft, mal ein paar Tage lang “Buch” zu führen, um das Thema objektiver zu begreifen, Muster zu sehen und strukturelle Lösungen zu überlegen. Streit immer eine halbe Stunde vor dem Abendessen? Vielleicht ginge es mit einem früherem Abendessen ruhiger zu
  • Streitgrund identifizieren: streiten die Kids sich um Gegenstände, um Interessen (z.B. wer vorne sitzen darf oder zuerst dran ist) oder der Fairness wegen (“Er hat aber ein Stück Schokolade und ich nicht!!”)? Sind es Zankereien, weil grundlegende Bedürfnisse nicht befriedigt sind (hungrig, müde, fehlende Aufmerksamkeit, fehlende Autonomie)? Oder ist es eher ein Foppen, das die Kinder selbst ganz gut reguliert bekommen? Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Strategien, wie Du damit umgehen kannst
  • Coachend eingreifen: bei Streit um Gegenstände oder Interessen sollten wir Eltern in den meisten Fällen eingreifen, vor allem bei Kindern unter 6 Jahren. Klar gibt es auch Kinder, die solche Konflikte schnell selbst lösen – aber auch dann sollten wir hinschauen, ob eines der Kinder immer nur einsteckt. Wie wir zum Streitcoach werden und warum das sinnvoll ist, haben wir hier Schritt für Schritt aufgeschrieben
  • Bedürfnisse verstehen: wenn Streit ausbricht, weil Bedürfnisse nicht gesehen oder nicht befriedigt werden können, lohnt es sich, diese zu ergründen. Braucht der Größere Ruhe, während die Kleinere einfach nur spielen will? Oder ein Kind will Aufmerksamkeit und sieht den Streit als Mittel zum Zweck? Hier müssen wir vermitteln und Lösungen finden, die die Bedürfnisse aller Kinder berücksichtigen. Zum Beispiel: “Könntest Du Dir vorstellen, Deiner kleinen Schwester eine Zeit zu nennen, wann Du 5 Minuten mit ihr spielen könntest?” oder die schon öfter erwähnte Zweisamzeit
  • Trennen: vor allem, wenn ein (Klein)Kind trotz liebevollem Eingreifen nicht kooperieren kann, kann eine räumliche Trennung Wunder bewirken. Und welches Kind mit in ein anderes Zimmer oder auf den Balkon nehmen? Das ist abhängig vom Kontext: Mal mag es das passive sein, mal die Anstifterin, die eigentlich ein großes Bedürfnis nach Ruhe hat und sich im Kinderzimmer schon nach wenigen Minuten beruhigt hat und selbst beschäftigen kann 📚

Es geht bei Geschwisterstreit nicht um Schuld oder Recht haben; es geht um die Beziehungen in der Familie und es geht um Lösungen, die Win-Win-Situationen erzeugen 🖤 🖤. Wie sagt es die Erziehungsexpertin Nicola Schmidt so treffend: “Wir (Eltern) müssen helfen, die Lösung umzusetzen; und nicht selten sind wir auch ein Teil davon.”

ZUM WEITERLESEN

Viele von Euch haben sich zum Thema der Woche Artikel- und Buchempfehlungen gewünscht und dem kommen wir gerne nach. Zum Thema Geschwisterstreit haben wir ergänzend einen guten und (verhältnismäßig) kurzen Blogbeitrag gefunden. Wer etwas mehr Zeit hat und sich fundierter mit dem Thema Geschwister auseinander setzen möchte, dem sei Nicola Schmidts Buch “Geschwister als Team” ans Herz gelegt.

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