Ohne wenn – dann

Ohne wenn – dann… geht das?

“Wenn Du jetzt nicht Zähneputzen kommst, fressen die Bakterien heute Nacht Deine Zähne auf.” Ooops. Es ist passiert. Ich habe versucht, meine Kinder mit einer “logischen” Konsequenz zu etwas zu bewegen. Dabei würde ich lieber ohne wenn – dann Drohung kommunizieren.
Aber warum sind “wenn – dann” Sätze überhaupt so kontraproduktiv? Und wie lassen sie sich vermeiden?

Heute haben wir 5 Ideen für Dich, die nicht nur logisch sind, sondern auch besser fürs Kind, für Dich und für Eure Beziehung zueinander. 😇

Physikalische Grundsätze erlaubt

Natürlich gibt es Situationen, da ist “wenn – dann” angebracht. Wenn man zum Beispiel physikalische Grundsätze wie die Schwerkraft zu erklären versucht: “Wenn Du das Glas wirfst, dann fällt es zu Boden. Außer, Du bist im Weltall. Da schwebt es für immer durch die Gegend”. 🚀 Um gewisse soziale Grenzen zu vermitteln: “Wenn Du die Feuerwehr im Scherz anrufst, dann ist die Einsatzzentrale verärgert, weil Du sie von der Arbeit abhältst.”

Oder um unseren Kindern die Konsequenzen ihres Handelns zu erklären. Beispiel: “Wenn Du jetzt noch eine Runde Lego spielen möchtest, dann schaffen wir es nicht mehr, vor dem Schlafengehen zu baden.” Letzten Endes lassen wir unseren Kindern in einem gewissen Rahmen, für den wir Eltern verantwortlich sind, eine Wahl – und das stärkt ihre Selbstwirksamkeit.

Logische Konsequenzen oder auch Beeinflussung

Aber Hand aufs Herz: wir Eltern nutzen “wenn – dann” auch, um das Verhalten unserer Kids zu beeinflussen oder um etwas einzufordern:

  • “Wenn Du weiter die Wand mit Stiften anmalst, dann darfst Du nie mehr basteln.”
  • “Wenn Du Deinen kleinen Bruder noch mal haust, dann verbringst Du den Rest des Tages in Deinem Zimmer”.
  • “Wenn Du jetzt nicht mitkommst, dann gehe ich ohne Dich.”
  • “Wenn Du jetzt nicht aufräumst, darfst Du kein Fernsehen gucken.”
  • “Wenn wir jetzt nicht losgehen zum Kindergarten, dann dürfen wir nicht mehr rein.”

So sinnvoll das Konzept der logischen Konsequenz grundsätzlich sein mag: es bekommt schnell den Beigeschmack einer versteckten Bestrafung. Denn die “Konsequenzen”, die wir unseren Kids aufzeigen, sind oft eher konstruiert als logisch, wie die Beispiele zeigen. Wir demonstrieren dadurch das (sowieso) schon klare Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern unmissverständlich und pochen auf das Einlenken der Kinder.

Die Forschung ist sich einig: davon wird das Verhalten wenn überhaupt nur kurzfristig besser. Mittelfristig laufen wir Gefahr, die den Kids angeborene Bereitschaft zur Kooperation zu zerstören. Darüber hinaus nutzen sich die Drohungen mit zunehmendem Alter ab und unsere Kinder sagen irgendwann “Dann mach’s doch.” Und dann stehen wir wirklich blöd da.

Hier sind unsere 5 Tipps, wie Du ohne “wenn” –  “dann” durch den Familienalltag kommst:

#1 Füll die Speicher Deines Kindes

Kinder brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit von uns Erwachsenen und Autonomie, damit sie ihre Selbständigkeit spüren. Und auch, wenn es sich komisch anhört: damit wird alles (etwas) einfacher und das Verhalten, das Dich zur Weißglut bringt, nimmt ab. Wie man das macht, erzählen wir Dir hier.

#2 Nutze “sobald” statt “wenn – dann”

Ein Wort kann alles verändern. “Ich helfe Dir gerne, sobald ich den Tisch gedeckt habe.” oder “Wir können etwas Neues spielen, sobald wir uns Platz gemacht haben.” Wichtig: kein Zwang, kein Ultimatum, eher der Hinweis auf die gewünschte und im besten Fall vorab schon mal kommunizierte Reihenfolge. Und klar: oft sind wir Eltern Teil der Lösung, räumen mit auf, um uns Platz zu machen 😉

#3 Setze Beziehung vor Erziehung

Auch und gerade, wenn ihr schon mitten im Konflikt steht, hilft es, zuerst auf die Beziehung zu achten. Eine Umarmung, die Hand auf der Schulter oder das Spiegeln ihrer Gefühle machen unsere Kinder zugänglicher für unser Anliegen. Zum Beispiel: “Ich sehe, dass Du wütend bist. Wir schlagen aber in dieser Familie nicht, das tut mir weh.” oder “Puh, Du bist wohl ganz schön müde. Komm, wir räumen gemeinsam auf.”

#4 Denk in Lösungen und nicht in Konsequenzen

Such einen Weg, der für beide funktioniert: “Was könnten wir jetzt machen, um die Situation zu lösen?” oder “Was glaubst Du, würde uns beiden jetzt helfen?” Einem kleinen Kind wirst Du erst mal etwas vorschlagen müssen (“Ok, noch 3x Rutschen, dann gehen wir, ja?”), größere Kinder signalisieren oft selbst, was jetzt tragbar ist (“Noch ein Mini-Brokkoli und dann eine große Portion Pommes 🍟!” Seufz…).

#5 Vereinbare Ein-Wort-Sätze

Mit älteren Kindern (ab 4-5 Jahren) kann man Code-Wörter vereinbaren, als Erinnerung an Absprachen wie Hände waschen, jeder räumt seinen Teller in die Küche etc. Sie helfen uns, nicht ins Lamentieren zu verfallen und der Versuchung zu widerstehen, uns mit “wenn – dann” in eine Ecke zu manövrieren. “Seife” fürs Händewaschen, “Teller” für den Tischdienst usw. Einfach ausprobieren.

Übrigens: statt “dann gehe ich ohne Dich” sage ich mittlerweile: “Ich möchte wirklich los und ich will nicht ohne Dich gehen.” Meine Kinder fragen manchmal so herzzerreißend ehrlich “Warum nicht ohne mich?”, dass ich ihnen sehr gerührt erkläre, dass ich sie lieb habe. Von hier bis zum Mond und zurück. Und sie allein deshalb (ganz abgesehen von meiner Aufsichtspflicht) nie zurücklassen würde. ❤️

Zum Weiterhören

Wer ihn noch nicht kennt, dem möchten wir den Podcast Mamsterrad von Imke Dohmen und Judith Möhlenhof ans Herz legen, in dieser Folge zu “wenn – dann”. Die beiden schaffen es, innerhalb von 15 Minuten spannend und kurzweilig ein relevantes Thema zu behandeln und tun das unserer Meinung nach in einer guten Balance zwischen den Bedürfnissen der Kinder und der Eltern. Und auch wenn sie sich in ihrer Ansprache nur an Mamas wenden: liebe Papas, für Euch sind die Inhalte genauso relevant.