6 Strategien für Eltern: Was tun gegen Geschwisterstreit?

Warum es besser für Deine Kinder ist, wenn Du Geschwisterstreit nicht einfach ignorierst und welchen positiven Einfluss wir Eltern auf streitende Kinder haben können

Streit zwischen Geschwistern passiert häufiger als man denkt

Wer kennt es nicht; Streit zwischen Geschwistern. Die meisten Geschwisterkinder streiten jeden Tag und gefühlt um alles. “Maaaaamaaaa, er hat meine Luft geatmet!” 🤷🏻‍♀️. Amerikanische Forscher haben festgestellt, dass sich Kinder zwischen 3 und 7 Jahren im Schnitt 3,5 Mal pro Stunde streiten, Kinder im Alter von 2-4 Jahren sogar mehr als 6 Mal. Statistisch gesehen streiten sich Geschwister übrigens dann besonders viel, wenn der Altersunterschied nur 1-2 Jahre beträgt oder sie das gleiche Geschlecht haben.

Wie bei fast allen Themen, die uns Eltern so richtig auf die Nerven gehen können, sagen Entwicklungspsycholog*innen: es ist grundsätzlich gesund und richtig. Wenn Geschwister streiten, ist das ein Zeichen, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und das ist ja schon mal gut. Wenn sie sich um einen Gegenstand zoffen, bedeutet das, dass sie verstehen, was dem anderen lieb und teuer ist. Sie lernen also Sozialkompetenz und im besten Fall auch, zu verhandeln oder Lösungen miteinander zu vereinbaren.

Doch die Fragen bleiben: wie bringe ich die Streithähne dazu, dass sie irgendwann auch wieder aufhören? Soll ich eingreifen oder die Kinder sich selbst überlassen? Was genau ist meine Rolle als Mama oder Papa? Wir haben 6 konkrete Strategien für Dich in diesem Artikel zusammengetragen. Noch mehr dazu, wie Du Streit vermeidest, erfährst Du übrigens in unseren neuen Audiokursen.

Unsere Rolle als Eltern

Unsere Aufgabe als Eltern ist es, einen Streit zu verlangsamen, um Lösungen zu ermöglichen und nicht unbedingt, ihn zu schlichten. Ganz wichtig ist es, dass wir nicht für ein Kind Partei ergreifen, da sonst ein Gefühl der Unfairness entstehen kann, was den Streit weiter anheizt. Sinnvoll eingreifen können wir übrigens nur dann, wenn wir selbst ruhig bleiben. 

Aber das ist leichter gesagt, als getan, vor allem, wenn wir selbst gestresst sind. Ist es Dir auch schon passiert, in solchen Situation lauter zu werden als nötig oder gar zu schimpfen? In unseren neuen Audiokursen erfährst Du, warum Deine Kinder manchmal unerwünschtes Verhalten an den Tag legen und was Du dann konkret tun kannst. Sichere Dir jetzt Deinen Platz.

Wenn Du sofort wissen willst, wie Du bei Geschwisterstreit am besten reagierst, lies unsere 6 Tipps. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass diese Techniken schon nach wenigen Wochen erfolgreicher sind als andere Strategien 👍🏻👍🏼👍🏿- 

6 Tipps zum Umgang mit Streit unter Geschwistern

#1 Selbstcheck machen

Frage Dich: bin ich ruhig genug, um als Mediator*in einzugreifen? Wenn nein: umdrehen, durchatmen oder anderweitig Beruhigung finden. Greife erst in den Konflikt Deiner Kids ein, wenn Du Dir klargemacht hast: “Der Streit geht nicht gegen mich! Es ist normal, dass sie streiten und ich kann ihnen helfen, den Konflikt zu lösen.”

#2 Klärend eingreifen

Egal, ob die Kids sich um Gegenstände (“Mein Auto!”), um Interessen (zum Beispiel, wer vorne sitzen darf) oder der Fairness wegen (“Er hat ein Stück Schokolade und ich nicht!”)streiten: erkenne die Situation an und kläre die Regeln. Zum Beispiel: “Hey ihr beiden, ich sehe, dass ihr ziemlich heftig streitet. Ich nehme jetzt mal das Auto (oder was immer das Objekt der Begierde ist) und lege es auf den Schrank. Dann setzen wir uns kurz hin und reden miteinander.” Oder “Ich höre, dass ihr beide vorne sitzen wollt. Kommt mal bitte auf den Bürgersteig, dann reden wir kurz.” Die Sätze mögen sich jetzt künstlich anhören, aber in der Situation wirst Du sicherlich Worte finden, die zu Dir passen.

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#3 Situation verstehen

Bitte die Kids, die Situation zu schildern, die zum Streit geführt hat. Wichtig ist: lass alle Kinder zu Wort kommen und höre ihnen zu. Bei kleineren Kindern wirst Du vielleicht unterstützen müssen, um zu verstehen, worum es ging. Zum Beispiel “Anna, Du wolltest jetzt endlich auch mal das Auto haben, mit dem Tobi gespielt hat?” Wir zeigen unseren Kindern damit unser Interesse und vermitteln ihnen, wie wir Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle mit Worten ausdrücken können.

#4 Empathie fördern

Gerade, wenn es um Interessen oder Gegenstände geht, hilft es, Gefühle explizit zu machen und Ursachen gemeinsam zu ergründen. Zum Beispiel: “Anna, warum war Tobi denn so wütend auf einmal? Kann es sein, dass es daran liegt, dass Du ihm das Auto weggenommen hast?” “Und Tobi, warum hat Anna so geschrien, als Du nach ihr getreten hast?” Ja, für uns liegen die Antworten auf der Hand. Kinder lernen aber gerade erst, dass es auch ein Universum neben ihrem eigenen gibt. 

#5 Lösungen entwickeln

Letzen Endes geht es ja immer darum, Lösungen zu entwickeln, die für alle akzeptabel sind 😉. Oft müssen wir Eltern noch helfen, diese zu vereinbaren: “Wie könntet ihr beide jetzt weitermachen? Was könntet ihr beim nächsten Mal anders machen?”. Sammle mit Deinen Kids Vorschläge – Du wirst vielleicht erstaunt sein, auf welche Ideen sie unter Deiner Anleitung selbst kommen. Der Fokus auf gemeinsame Lösungsfindung ist übrigens auch eines der Themen, das wir in unseren Audiokursen behandeln. 

#6 Notlösung: Trennen

Wenn sich nun gar keine Lösung finden lässt und die Streithähne immer noch aufeinander losgehen, ist die räumliche Trennung eine gute Option. Kinder wollen zwar grundsätzlich kooperieren, aber sie können es nicht immer und dann hilft: Abstand. Welches Kind Du mit in ein anderes Zimmer oder auf den Balkon nimmst, ist abhängig vom Kontext: Mal mag es das passive sein, mal die Anstifterin, die eigentlich ein großes Bedürfnis nach Ruhe hat und sich im Kinderzimmer schon nach wenigen Minuten beruhigt hat und selbst beschäftigen kann.

Zu guter Letzt: lass den Konflikt los. Die Kids haben den Streit fast immer schneller vergessen als wir und spielen schon im nächsten Moment wieder miteinander. 

Es geht bei Geschwisterstreit nicht um Schuld oder Recht haben; es geht um die Beziehungen in der Familie und es geht um Lösungen, die Win-Win-Situationen erzeugen. Wie sagt es die Erziehungsexpertin Nicola Schmidt so treffend: “Wir (Eltern) müssen helfen, die Lösung umzusetzen; und nicht selten sind wir auch ein Teil davon.” 

Über uns.

Wir sind Janet und Jutta, die Gründerinnen von FamilyPunk und Mütter von insgesamt fünf Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren. Janet ist Sozialpädagogin, Jutta ist Wirtschaftswissenschaftlerin. Unsere Mission ist es, Eltern zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen und das Bild, das Eltern von sich selbst haben und das die Gesellschaft von ihnen hat, positiv zu beeinflussen. Parent Empowerment halt. 

Wir freuen uns sehr, dass Du hier bist.

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