Gefühle bei Kindern validieren

Kurze Nacht

Vielleicht kennst Du das auch: die Nacht war durchwachsen, die Kids haben Dich nacheinander mit Albträumen und Hustenanfällen geweckt und gerade, als Du wieder eingeschlafen bist, klingelt der Wecker. Uuaahhh! Auf Dein gemurmeltes “Die Nacht war so furchtbar, ich habe einfach keine Lust, aufzustehen, ich bin so müde.” kommt von Deinem Partner/Deiner Parterin “Na, so schlimm kann es ja nicht gewesen sein, ich habe nichts gehört”. Da fängt der Tag schon so richtig beschwingt an, denn Deine Gefühle wurden kurzzeitig verletzt. 
 
Was das mit unseren Kindern und dem vielleicht wichtigsten Tipp für Eltern zu tun hat, dazu heute mehr.
 

Vom Bedürfnis, gesehen zu werden

Wir alle haben das Bedürfnis, gesehen zu werden. Der amerikanische Kinderpsychiater Donald Winnicott schreibt in Bezug auf das kindliche Versteckspiel eindrücklich: “Es ist eine Freude, sich zu verstecken und eine Katastrophe, nicht gefunden zu werden.” Das trifft wohl auch aufs Leben zu und deshalb brauchen wir Menschen um uns herum, die uns sehen und akzeptieren, wie wir sind. Ganz besonders wichtig ist das für unsere kleinen und großen Kinder ❤️. 
Die britische Psychotherapeutin Philippa Perry beschreibt in ihrem aktuellen Buch 3 häufig beobachtete Ansätze, mit den Gefühlen unserer Kinder umzugehen:
 

#1 Unterdrücken

Wenn wir öfter Sätze sagen wie “Ist doch nichts passiert”, “Das ist doch nicht so schlimm” oder “Das ist jetzt eben so”, dann versuchen wir, die Gefühle, mit denen unsere Kids uns begegnen, zu unterdrücken. In der Konsequenz bedeutet das, dass unser Kind sich wahrscheinlich zurückgewiesen fühlen wird – ähnlich wie ich nach einer sehr kurzen Nacht, nach der mein mehrmaliges Aufstehen noch nicht mal “gesehen” wird

#2 Überreagieren

Am anderen Ende des Spektrums stehen wir, wenn wir uns die Gefühle unserer Kinder zu eigen machen. Der Abschiedsschmerz an der Kindergartentür mag real sein für unser Kind, aber das bedeutet nicht, dass wir mitweinen müssen. Vor allem, wenn wir wissen, dass unser Kind fröhlich spielt, sobald wir von der Bildfläche verschwunden sind 🤪. Für Kinder sind solch starke elterliche Gefühle oft schwer zu verkraften, sie fühlen sich hilflos und vermissen den starken Fels in der Brandung

#3 Validieren

Wenn wir die Gefühle unserer Kinder durch Worte und/oder Gesten anerkennen und ohne Bewertung akzeptieren, zeigen wir ihnen: “Ich bin da, ich bin ruhig, ich nehme Dich ernst”. So begleiten wir unsere Kinder durch ihre Gemütslage, können sie trösten, bedauern oder bestärken. Wir zeigen ihnen auch, was es bedeutet, Emotionen zu erkennen, zu benennen, zu regulieren und schließlich – loszulassen. 

  
Es soll jetzt nicht wie ein weiteres To-Do auf der Liste unserer elterlichen Aufgaben klingen: “Punkt 17: Gefühle der Kinder validieren”. Es ist eher die liebevolle Erinnerung, dass unsere Kids darauf angewiesen sind, dass wir ihnen beibringen, wie sie mit ihren starken Gefühlen umgehen sollen 💕. 
Philippa Perry formuliert daher den vielleicht wichtigste Tipp für Eltern so:
 

Kämpfe nicht gegen die Gefühle Deines Kindes an

Wenn Dein Kind morgens die Jacke nicht anziehen will, ist es meist besser, Sätze zu sagen wie “Du magst es gar nicht, wenn Dir zu heiß ist, oder? Komm, wir nehmen sie mit und Du ziehst sie draußen an, wenn Dir kalt wird.” oder “Sie war Dir gestern lästig, weil es mittags so warm wurde?” Es geht darum, in den Dialog zu kommen darüber, was in Deinem Kind vorgeht, die Gefühle hinter dem Verhalten zu verstehen und zu verbalisieren. Auch wenn Du bei Kleinkindern das Sprechen übernimmst: selbst die Kleinsten können Rückmeldung geben, ob sie sich verstanden fühlen.
Die Gefühle Deiner Kids zu validieren bedeutet übrigens nicht, sofort alles zu tun, damit sie sich augenblicklich beruhigen, oder dass Du das Verhalten gutheißen musst, das mit einem Gefühlsausbruch einhergeht (“Wenn ich nicht weiter Paw Patrol schauen darf, dann werfe ich jetzt das Glas runter.” 🙄).
 
Es geht eher darum, die zugrundeliegende Emotion ruhig und ohne Bewertung anzuerkennen: “Ich sehe, dass Du total wütend bist, weil ich den Fernseher ausgemacht habe. Es tut mir leid, die vereinbarten 30 Minuten sind vorbei.” Und vielleicht eine Lösung anzubieten oder mit dem Kind gemeinsam zu entwickeln: “Wollen wir gemeinsam ein Buch anschauen?” oder “Magst Du mir erzählen, was in dieser Serie besonders spannend war?”.
 

Gefühle akzeptieren

Wenn wir wollen, dass unsere Kids lernen, mit ihren eigenen Emotionen achtsam umzugehen, wenn wir ihnen Empathie beibringen und eine gute Grundlage für ihre seelische Gesundheit legen wollen, dann ist es hilfreich, wenn wir ihre Gefühle so oft es eben geht sehen und akzeptieren, wie sie sind. Auch die vielleicht “unbequemen” wie Trauer, Wut, Ärger, Frustration, Zurückgezogenheit. Und auch diejenigen, die 5 Minuten vor Aufbruch zum Kindergarten auftreten 😉.
 

ZUM WEITERLESEN

Philippa Perry hat ein großartiges Buch geschrieben, das kein Elternratgeber im klassischen Sinne ist, sondern vielmehr ein warmherziges Buch über Gefühle, Beziehungen und Kommunikation. Zudem trägt es den herrlich-sperrigen Titel: “Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen: (und deine Kinder werden froh sein, wenn du es gelesen hast)”. Klare Leseempfehlung vom Team FamilyPunk!