Das macht mir Angst – Ängste bei Kindern

Ängste bei Kindern

Große Augen gucken mich an: “Kannst Du bitte kommen, ich habe Angst!” Eben noch ganz stolz mit den großen Jungs im Innenhof gespielt und auf einmal klammern sich die kleinen Kinderarme hilfesuchend an mein Bein. Weil im Hörbuch gerade etwas Gruseliges passiert, es im Waschbecken so komisch blubbert oder weil es im Flur plötzlich dunkel geworden ist.
 

Jeder hat mal Angst oder fürchtet sich

Angst gehört irgendwie zum Leben dazu. Für uns Erwachsene und für unsere Kinder auch. Wie wir ihnen helfen können, damit gut umzugehen, darum geht es heute.
 
Mutig zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mutig ist, wer sich dem stellt, was Angst macht. Als Eltern sind wir jeden Tag mutig. Wir vertrauen darauf, dass wir die Herausforderungen des Familienalltags gewuppt bekommen, dass es unseren Kids gut geht in Kita und Schule und entlassen sie jeden Tag ein kleines bißchen mehr in ihre Selbständigkeit 🤗.
Auch unsere Kinder sind mit Ängsten konfrontiert – die einen mehr, die anderen weniger. Je nach Altersstufe gibt es ganz typische Ängste: Von 0 bis 2 Jahren sind das zum Beispiel laute Geräusche und die Trennung von Mama und Papa. Zwischen 3 und 4 Jahren können Tiere, die Dunkelheit oder Veränderungen Ängste auslösen, später kommen Angst vor Gewitter, schlechten Menschen und Naturkatastrophen dazu.
 
Es gibt für die Bewältigung der Angst bei Kindern kein Patentrezept. Dafür sind die Kinder und auch die Ausgangssituationen zu unterschiedlich. Doch es gibt ein paar grundlegende Dinge, die Deinem Kind helfen, seine oder ihre Ängste zu bewältigen 🧡.
 

Hier sind unsere 7 Tipps:

#1 Angst ernst nehmen

Wir helfen unseren Kindern, wenn wir ihre Ängste ernst nehmen, ohne zu übertreiben. Zum Beispiel durch ruhige Fragen. “Was macht Dir denn Angst?”. Manchmal müssen wir auch raten: “Ich sehe dass Du ängstlich bist. Ist es, weil der Flur so dunkel ist?”. Wichtig: je konkreter wir wissen, was Angst macht (die Dunkelheit an sich, die Möglichkeit, dass sich dort ein Dieb versteckt oder etwa eine Spinne), desto besser können wir unserem Kind helfen. Indem wir mit den Kids über Ängste reden, geben wir ihnen übrigens gleich eine Strategie an die Hand: darüber Reden.

#2 Vertrauen schenken

Ängste kommen meist immer wieder auf und es hilft unseren Kindern, sie daran zu erinnern, wie sie solche oder ähnliche Situationen schon mal gemeistert haben (zum Beispiel erfolgreich vom Klettergerüst runter zu klettern). Dein Vertrauen in Dein Kind kann sich so in Selbstvertrauen verwandeln, ohne die Angst zu ignorieren: “Oh, Du bist echt weit oben. Beim letzten Mal bist Du gut runtergekommen, als Du Dich auf Deine Füße konzentriert hast.”

#3 Den Fokus auf Positives lenken

Nachdem Dein Kind eine Herausforderung bewältigt hat, kannst Du das gute Gefühl, etwas gemeistert zu haben, verankern: “Boah, jetzt bist Du alleine runtergekommen. Und, wie fühlt sich das an?” An dieser Stelle hilft auch beschreibendes Lob: “Ich habe gesehen, dass Du ganz aufmerksam warst und immer nur einen Fuß oder eine Hand vom Klettergerüst gelöst hast. Hat gut geklappt!”

#4 Vermeidung vermeiden

Auch wenn wir uns für unsere Kids wünschen, dass sie immer glücklich und fröhlich sind, hilft es nichts, wenn wir ihre Angstsituationen sofort für sie lösen oder gar nicht erst entstehen lassen. Denn leider wird dadurch die Angst oft nur stärker. Kinder müssen gewisse Risiken eingehen dürfen. Wenn Du Deinem Kind dabei helfen kannst, sich der Angst zu stellen, wird es lernen “Ich kann das! Ich bin mutig!”

#5 Große Ängste in kleine Schritte teilen

Dein Kind freut sich seit Tagen darauf, allein zum Spielen zu einer Freundin zu gehen, kurz davor bekommt es aber plötzlich Angst. Dann kannst Du das Thema in kleinen Schritten angehen: beim ersten Mal zusammen zum Playdate, beim nächsten Mal das Kind 5 Minuten alleine lassen (und Du holst noch schnell etwas 😉), dann mal eine halbe Stunde und irgendwann wird der Nachmittag für Dein Kind wie im Flug vergehen. So können Deine Kids auch größere Ängste schrittweise bewältigen, ohne überfordert zu sein

#6 Nicht zu viel erwarten

Wenn nun wirklich gar nichts geht, Dein Kind sich 5 Minuten vor Abfahrt zum lang ersehnten Kindergeburtstag standhaft weigert, hinzugehen und alle Versuche fehlgeschlagen sind, dann hilft nur: gelassen bleiben. Zwingen bringt nichts. Sacken lassen und positiv bleiben: “Ich habe volles Vertrauen darin, dass Du es schaffen kannst.” Und beim nächsten Mal am besten schon 2 Tage vorher überlegen, was ihr machen könnt, damit die Kindergeburtstagseinladung ein Erfolg wird

#7 Mut-Geschichten lesen

Das Vorlesen von Mut-Geschichten (vielleicht auch im Rahmen von Zweisamzeit) ist ein guter Anlass, über Angstgefühle zu sprechen. Vorlesen stärkt eure Bindung und über Gefühle sprechen stärkt das Vertrauen Deines Kindes darin, dass es auch mit Problemen immer zu Dir kommen kann. Und ganz nebenbei können mutige Mäuse, Löwen oder Füchse als kleine Vorbilder dienen, wenn sie sich trotz schrecklicher Angst langsam nach vorn wagen 🐁🦁🦊 

Du machst Dir Sorgen, dass Dein Kind vielleicht zu ängstlich sein könnte?
Als kleine Beruhigung: Kein Kind (und auch kein*e Erwachsene*r 😉) ist angstfrei. Wer schon als Kind lernt, sich der eigenen Angst zu stellen, sie zu benennen und sich nicht in ihr zu verlieren, lässt sich auch als Erwachsene*r nicht so leicht unterkriegen.
 

ZUM WEITERLESEN

Die Illustratorin und Autorin Franziska Höllbacher, die wir kürzlich kennengelernt haben, hat uns einen Einblick in ihr Buch “Bertha hat Angst” gegeben, das am 1.10.2020 rauskommt. Großartig illustriert mit vielen einfühlsamen Tipps für den Umgang mit kindlichen Ängsten. Für Kinder und Erwachsene ab 3 Jahren. Jetzt zum Vorbestellen.