Geschwisterrivalität – 4 Tipps, wie Du am besten damit umgehst

Geschwister, die sich streiten

Täglich fliegen die Fetzen

Vermutlich kennst Du es auch, wenn Du mehr als ein Kind hast: Geschwisterrivalität. Mehrmals täglich fliegen die Fetzen zwischen den Geschwistern, oft aus den banalsten Gründen. Gerade hast Du den Streit geschlichtet, stänkert der Kleinste. Oder die Größere schnappt sich aus Jux und Tollerei das Lieblingsspielzeug der kleinen Schwester 🤷🏻‍♀️.

Nicola Schmidt, die wunderbare Autorin von Büchern wie “Geschwister als Team”, mit der wir uns letzte Woche getroffen habt, hat da einen guten Rat. Sie sagt, dass das Wichtigste ist, mit den Kindern in Verbindung zu bleiben, auch wenn sie sich die Köpfe einhauen. Wie das geht und was Rivalität mit Geschwisterstreit zu tun hat, dazu heute mehr.

Bei der intensiven Beschäftigung mit Geschwisterbeziehungen und der neuesten Forschung zu dem Thema ist mir klar geworden: Geschwisterrivalität ist nicht gleich Geschwisterstreit und es ist wichtig, Geschwistermobbing von den üblichen Zankereien zu unterscheiden.

Rivalität unter Geschwistern wird in beinahe jeder Familie mit mehr als einem Kind irgendwann eine Rolle spielen – und das ist auch ganz natürlich. Nach Geburt des zweiten Kindes “kämpft” das erstgeborene Kind zum ersten Mal um die knappste Ressource: die Aufmerksamkeit von uns Eltern und anderer Bindungspersonen. Das zweite oder dritte Kind wird irgendwann bemerken, was die Große schon alles darf oder bekommt und wird vielleicht Neid oder Missgunst entwickeln. Das Rivalitätsverhältnis hängt übrigens im Normalfall mit dem Altersabstand zusammen: je größer er ist, desto geringer ist die Konkurrenz. Das hilft mir persönlich bei einem Altersabstand von 1 Minute bzw. 16 Monaten jetzt nicht so viel 😉. 

Was aber hilft, sind unsere zwei Tipps gegen Rivalität:

Tipp 1: Jedes Kind würdigen

Jedes Kind ist einzigartig. Hat wunderbare Stärken und gleichzeitig Bereiche, in denen es sich schwerer tut als andere. Kinder wollen wachsen, lernen, kooperieren – das zeigen Studien ein ums andere Mal. Es gibt nichts Demotivierendes, als mit einem Geschwisterkind verglichen zu werden: “Dein Bruder sitzt so schön still.” “Warum kannst Du nicht so schnell wie Deine Schwester sein?”. Unser Tipp: diese Sätze nicht aussprechen. Und wenn sie Dir dennoch in den Sinn kommen: erlaube Dir, sie auch wieder loszulassen.

Tipp 2: Zweisamzeit einführen

Zweisamzeit kann helfen, der Rivalität unter Geschwistern nicht zu viel Raum zu geben. Dabei widmest Du jeden Tag jedem Kind 10 Minuten Deine ungeteilte Aufmerksamkeit und bist voll präsent für das, was Dein Kind mit Dir machen möchte 💕 . Deine Kids füllen so ihre Speicher nach Bedeutsamkeit und Autonomie und das senkt das Konfliktpotential. Wie’s funktioniert, haben wir hier beschrieben.

Aus Rivalität, Konkurrenz und Eifersucht zwischen Geschwistern entsteht nicht selten ein ausgewachsener Streit. Forscher haben beobachtet, dass das bei kleinen Kindern im Schnitt alle 10 Minuten passiert. Puh, das zehrt an den Nerven 🙈. Das hier hilft immer:

Tipp 3: Unparteiisch bleiben

Egal, wer angefangen hat, wer wem etwas weggenommen hat oder sich auf den “falschen” Platz gesetzt hat: bei Geschwisterstreit bist Du nicht die Richter*in, die einem Kind Recht gibt. Wenn wir einem Kind die Schuld geben oder ein Kind in Schutz nehmen, lernen die Kids nämlich vor allem, wie sie Dich manipulieren können und nicht, wie sie Konflikte miteinander lösen. Wie Du Dich in einer akuten Streitsituation verhalten kannst, haben wir hier beschrieben.

Mobbing unter Geschwistern – keine*r von uns möchte so weit denken. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge ist Geschwistermobbing jedoch häufiger verbreitet als Schulmobbing. Geschwistermobbing geht dabei weiter als Streit und tritt über längere Zeit regelmäßig auf. Mobbing kann auf seelischer, körperlicher oder sozialer Ebene erfolgen. Beispiele für seelisches Mobbing sind Erpressung, Anschwärzen bei den Eltern oder das Verbreiten gemeiner Gerüchte über das Geschwisterkind. Körperliches Mobbing kann sich in Schlagen oder Schubsen äußern und soziales Mobbing zum Beispiel in extremer Ausgrenzung.

Wenn Du eine anhaltende ungesunde Dynamik zwischen Deinen Kindern wahrnimmst, bei denen eines offensichtlich leidet, gilt:

Tipp 4: Suche Dir professionelle Hilfe

Sprich mit Deiner Kinderärztin, suche eine Beratungsstelle in Deiner Nähe auf oder wende Dich an einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Sie können im Gespräch mit Dir und ggf. Deinen Kids die Situation besser einschätzen als jedes Internetforum oder jede Facebookgruppe. Gerne kannst Du unserem Coaching-Team auch eine Nachricht schreiben und wir vermitteln Dir einen Termin mit unserer Therapeutin.

Kein leichtes Thema, die Konkurrenz zwischen Geschwistern… sie ist meistens harmlos und förderlich für die soziale Entwicklung, kann aber auch von Nachteil für die psychische Gesundheit sein. Bei der Lösung der Konflikte mit unseren Kids hilft es vielleicht, sich einen Satz der amerikanischen Psychologin Laura Markham vor Augen zu halten:

“Wenn wir konsequent immer die Beziehung über alles andere stellen, was wir glauben, tun zu müssen, dann werden auch die Kinder immer sanfter miteinander umgehen.” ❤️