Sichere Bindung in der Erziehung

Vater tanzt mit Tochter - Sichere Bindung

Sichere Bindung: ein Grundbedürfnis

Es mag überraschend klingen, aber Erwachsene und Kinder haben relativ ähnliche Bedürfnisse: Essen, Trinken und Schlafen. Aber auch Sicherheit, sichere Bindung, Spiel & Spaß und Selbstverwirklichung. Nur leider nicht immer im gleichen Moment. 😂 
 
Viele der kindlichen Bedürfnisse sind recht einfach durch uns Eltern zu erfüllen. Beim Thema sichere Bindung stellt man sich vielleicht manchmal die Frage: was genau braucht mein Kind jetzt? Was bedeutet Bindung im Alltag und wie kann ich sie fördern? Dazu haben wir heute 6 Tipps für Dich.
 

Beziehung vor Erziehung

Die FamilyPunk-Haltung zum Thema Kindererziehung, Elternsein und Familienalltag lässt sich zusammenfassen mit: “Beziehung vor Erziehung”. 🧡Dabei geht es nicht darum, unsere Bedürfnisse als Eltern aus den Augen zu verlieren oder unsere Kinder ohne einen altersadäquaten Handlungsrahmen großzuziehen. Es geht vielmehr darum, die Bindung zu unseren Kindern als Schlüssel zur lösungsorientierten Klärung der familiären Konflikte, Herausforderungen und Krisen zu sehen.
 
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Sichere Bindung in den ersten 6 Lebensjahren

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Wurzeln zuerst, die Flügel später – und dazwischen spielt sich das Abenteuer Erziehung ab. 🤗 Gordon Neufeld, kanadischer Entwicklungspsychologe, hat ein Modell entwickelt, wie sich die Wurzeln, also die Verbindung zu unseren Kindern, in 6 Stufen entwickelt. Er setzt sie ungefähr mit den ersten 6 Lebensjahren gleich, wobei sich je nach Kind auch zeitliche Abweichungen ergeben können. Das heißt auch: je älter unsere Kinder werden umso mehr Möglichkeiten haben wir, mit ihnen in Verbindung zu treten.
 

Und so geht Bindung konkret:

1. Nähe herstellen:

im ersten Lebensjahr binden sich unsere Babys an uns durch Körperkontakt, Nähe, das Hören unserer Stimme, unsere Berührungen. Was besonders förderlich ist: Tragen, Haut-an-Haut kuscheln, mit Deinem Baby sprechen, liebevolle Berührung (solange Dein Baby das mag), es am Alltag teilhaben lassen

2. Gleichheit zeigen:

schon als Babys fangen Kinder an, uns zu imitieren. Im Alter von 1 bis 2 Jahren zeigen sie als Teil ihrer Persönlichkeitsbildung zunächst den Wunsch, so zu sein wie wir. Vielleicht habt ihr das schon mal erlebt, wenn die Kids mit kochen, auch einen Hammer haben oder sich mit Dir zusammen die Haare schneiden lassen wollten. Was hier hilft: Gemeinsamkeiten herausstreichen, Aktivitäten gemeinsam ausführen (Wäsche falten, zum Beispiel), eine gleiche Farbe anziehen, das gleiche essen

3. Zugehörigkeit spüren lassen:

zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr entwickelt sich Bindung über das Gefühl der Zugehörigkeit zur Familie, zum Heimathafen. Das Konzept von “mein” Papa und “meine” Mama reift heran. Nicht selten führt das zu Eifersucht, z.B. gegenüber Geschwistern, wenn diese die Eltern auch beanspruchen. Das kannst Du jetzt tun: aktiv die Zugehörigkeit betonen “Du bist mein Kind/ich bin Deine Mama”, Einführung von Zweisamzeit, die tägliche Exklusivzeit mit einem Elternteil, keinen krampfhaften Fokus aufs Teilen legen, Eifersucht ernst nehmen. Übrigens: aus einer starken Zugehörigkeit entwickelt sich Loyalität und damit auch die Bereitschaft Deines Kindes, auf Deine Bedürfnisse und Bitten einzugehen – im Rahmen seiner Möglichkeiten 😉  

4. Bedeutsamkeit ermöglichen:

das Bedürfnis, einen Unterschied zu machen, uns zu gefallen, Bedeutung zu haben in unserem Erwachsenenkosmos, entwickelt sich meist im 4. Lebensjahr. Kinder suchen unsere Wertschätzung. Am besten geben wir sie ihnen, ohne, dass sie dafür etwas leisten müssen. Was hilft: beschreibend loben, GemeinsamZeit (Du merkst es: eine Strategie, die so viel bewirkt), eine Wahl ermöglichen, wann immer es geht, Deine Zuneigung verbal ausdrücken (“Es ist so schön, dass es Dich gibt.”)

5. Gefühle teilen:

die Ärmchen schlingen sich um Deinen Hals, Dein Kind gibt Dir einen Gute-Nacht-Kuss – und Dein Herz schmilzt? 🤩 Herzlich Willkommen in der 5. Stufe der Bindung – dem Ausdruck von Gefühlen. Unsere Kinder können in diesem Altern gar nicht anders, als ihre ganz großen Gefühle mit uns zu teilen. Was Du tun kannst: Gefühle validieren, Deinem Kind helfen, seine Gefühle zu regulieren, herausfinden, welche der 5 Sprachen der Liebe Dein Kind bevorzugt, Deine eigenen Gefühle altersgemäß verbalisieren

6. Vertrauen empfangen:

im 6. Lebensjahr entwickeln Kinder die Fähigkeit, ihre Gefühle zu verbergen und auch ihre Handlungen geheim zu halten. In der letzten Stufe der Bindung – und vielleicht die wichtigste für die Teenagerzeit – wird sich Dein Kind Dir im Vertrauen weiterhin freiwillig öffnen, Dir Geheimnisse erzählen oder einfach nur die Begebenheiten des Tages.
Wie Du das fördern kannst: Raum schaffen für “beiläufige” Gesprächen (z.B. während des Badens, Haare Kämmens etc.), aktiv zuhören und Fragen stellen, Fehler oder Schabernack, die sie Dir erzählen, nicht bestrafen, Deinen Kindern altersadäquat von Deinen eigenen Erlebnissen erzählen

Die Basis für die Persönlichkeitsentwicklung

Eine sichere Bindung zu uns Eltern ist die Basis aller Entwicklung für Kinder, sagt Neufeld. Unsere Kids brauchen die Gewissheit, dass wir da sind, dass diese Bindung immerwährend und unendlich ist, um in ihrer eigenen Persönlichkeit zu reifen. Mit sicherer Bindung im Rücken werden sie ihr Umfeld erkunden, Freundschaften schließen, Fähigkeiten lernen, aber auch Enttäuschung erleben und Rückschläge einstecken.

Wenn wir es schaffen, bedingungslos in Beziehung zu ihnen zu stehen, müssen sie sich nicht permanent dafür anstrengen und haben mehr emotionale Kapazität für Wachstum, Lernen und Entwicklung. Deshalb lohnt es sich unserer Meinung nach, Beziehung vor Erziehung zu setzen.