ungebetene Ratschäge

Ungebetene Ratschläge

Für uns Eltern gilt: Elternsein ist eine Reise, ein Geschenk, eine Aufgabe und manchmal eine Herausforderung.
Elternsein ist heute auch – viel mehr als in den Generationen vor uns – öffentlich. So wurden früher die Kommentare und ungebetenen Ratschläge nur im direkten Austausch von Freund*innen, der Familie oder auch von Fremden an uns herangetragen. Heute hingegen kann man sich kaum noch wehren gegenüber ungebetenen Ratschlägen. Facebook, Instagram, TikTok und Co. bringen uns im Sekundentakt neuen Content, neue ungebetene Ratschläge. Sie geben vor wie wir unser Leben als Eltern gestalten sollten, wie wir unsere Kinder erziehen sollten. Manchmal ist es zu viel des Inputs. Vor allem, wenn er bewertend, vergleichend, belehrend oder gemein ist. 
 

Dickes Fell bei ungebetenen Ratschlägen

Vor einigen Monaten war ich Teil einer Online-Diskussionsrunde mit anderen Eltern und wir kamen auf das “dicke Fell” zu sprechen. Man braucht es als Eltern allgemein und vielleicht als Mutter ganz besonders, um in der Gesellschaft zu bestehen und nicht zu verzweifeln.

7 Strategien für ein dickeres Fell gegenüber ungebetenen Ratschlägen 

Hier bekommst Du meine 7 ganz persönlichen Strategien für mehr Standfestigkeit und Gelassenheit als Eltern.💫

  1. Überlege Dir, welches Lebensmodell Du willst: Ich habe die Vision, dass mein Partner und ich beide in 80% Teilzeit arbeiten. Dabei kümmern wir uns jeweils einen Tag in der Woche um die Kids. So ganz klappt das aktuell nicht. 😉 Mit dem Ziel vor Augen habe ich aber immer einen Leitstern, der mich daran erinnert, was ich mir wünsche und er macht mich auch ein wenig immun für die Kritiker. Gleichzeitig habe ich einen Anknüpfungspunkt zur Diskussion, wie die Realität sich zum Wunsch verhält.  
  2. Korrigiere Deinen Kurs, so oft Du willst: Entscheidungen sind immer Entscheidungen in der Zeit. Egal, welches Lebenskonzept, welche Erziehungsphilosophie Du Dir vor der Geburt des ersten Kindes überlegt hast: nach der Geburt mag es ganz anders aussehen. Was für die Zeit mit einem Kind passte, mag als Familie mit zwei oder mehr Kindern nicht mehr funktionieren. Du darfst Deine Entscheidungen überdenken, Dein Konzept aus dem Fenster werfen und neu entscheiden. Also stecke Dich nicht für Deine gesamte Elternschaft in eine Schublade. 
  3. Streiche das “Ich muss”: Du musst Dein Kind nicht in die Kita schicken und Du musst nicht nach drei Monaten Elternzeit Vollzeit zurückkehren. Auch musst Du keine zwei Jahre Elternzeit machen und Du musst nicht 50-50 Vereinbarkeit leben. Genauso musst Du nicht die perfekte Mama oder der perfekte Papa sein. Stattdessen darfst Du einen eigenen Weg finden, der für Dich und Deine Familie passt – so wunderbar und so imperfekt wie das Leben. 
  4. Konsumiere soziale Medien selektiv: Als 2015 unsere Zwillinge zur Welt kamen, war ich weder auf Facebook noch auf Instagram aktiv. Zugegeben, ich habe viel Zeit mit WhatsApp und mit Apps für Babyklamotten verbracht. 😉 Aber ich hatte keine Bilder von perfekten Eltern oder Müttern auf dem Handy. Stattdessen hat sich mein Bild von Elternschaft aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zusammengefügt, nicht aus dem Strom von fremdem Content.   
  5. Wähle Kinderarzt oder Kinderärztin sorgfältig aus: Man verbringt in den ersten Jahren viel Zeit beim Kinderarzt oder der Kinderärztin. Auf dem medizinischen Gebiet sind sie Expert*innen, aber nicht unbedingt in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Leben und Liebe. Suche Dir jemanden, der mit Deinem Lebenskonzept leben kann, ohne es zu bewerten. Zögere nicht, zu wechseln, wenn Dir der Besuch bei Kinderarzt oder -ärztin mehr Bauchschmerzen bereitet als Deinem Kind.   
  6. Vergleiche weder Dich noch Deine Kinder: “Also, mein Sohn läuft schon”. “Ja, und meine Tochter schläft jetzt durch”. “Ich gehe schon seit Wochen wieder Vollzeit arbeiten.” Wie schön für die anderen Eltern – und wie unwichtig für Dich. “Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit”, sagte Kierkegaard. Also: Hole Dir Inspiration, aber aktiviere Deine*n innere*n Beschützer*in, bevor die Außenwahrnehmung Dich überrollt.   
  7. Umgib Dich mit Menschen, die Dich unterstützen: Es werden Sprüche oder Bemerkungen kommen, die Dich vielleicht verletzen werden. Im Job, in der Runde der Freund*innen oder Kumpels, vielleicht auch aus der eigenen Familie. Suche Dir Menschen, die Dich unterstützen, ohne Dich zu bewerten. Die zuhören, vielleicht auch mal kritisch nachfragen, aber mit einer grenzenlosen Wertschätzung für Deine Entscheidungen und für Deinen Weg. 🧡

Brauchen wir einen Panzer gegenüber ungebetenen Ratschlägen?

Der Begriff “dickes Fell” hat so etwas panzerartiges.🐢 Ich glaube nicht, dass wir es brauchen, wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen können. Egal, ob wir genervt, enttäuscht oder zornig sind, ob wir uns aufgeregt, freudig oder enthusiastisch fühlen. Unsere Gefühle sagen uns etwas über unsere Bedürfnisse. Wenn wir durchlässig werden für unsere Gefühle, wenn wir sie annehmen, ohne sie festzuhalten, bekommen wir den Blick auf das, was wir wirklich brauchen.

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Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unsere Politik brauchen meiner Meinung nach immer noch mehr Gleichbeteiligung.

In diesem Sinne:
Ein “Hooray” auf alle Frauen und auf alles, was wir und die Generationen vor uns schon erreicht haben.🤸🏽‍♀️
Ein “Hooray” auf alle Menschen, die sich für die Gleichstellung aller, gegen Sexismus und gegen die Diskriminierung von Frauen einsetzen.🌈
Und ein “Let’s do this” für das, was vor uns liegt.💪🏽💪🏻💪🏿