Enttäuschung bei Kindern

5 Strategien, wie wir Eltern sie dabei begleiten können
Enttäuschung bei Kindern

Vom Umgang mit Enttäuschung und Frustration bei Kindern 

Jesper Juul hat den Satz geprägt, dass Kinder nicht lebensfähig werden, wenn wir ihnen alle Steine aus dem Weg räumen. Was er nicht dazu gesagt hat: Um lebensfähig zu werden, müssen unsere Kinder lernen, mit Enttäuschung und Frustration umzugehen. Und auch, wenn wir sie am liebsten vor allem, was schmerzt, schützen möchten: Enttäuschung bei Kindern hat einen Wert an sich.

Grenzen erleben heißt, Enttäuschung erleben

Jeden Tag erleben unsere Kinder Grenzen: Sie können nicht alles sofort haben, können nicht alles machen, was sie möchten oder es geht ihnen nicht schnell genug. Oft treten diese Grenzen im Austausch mit uns Eltern auf, aber es kann genauso gut im Spiel mit anderen Kindern passieren: Eine Gruppe von Kindern lässt dein Kind nicht mitspielen oder es wird nicht zu einem Kindergeburtstag eingeladen, obwohl es fest damit gerechnet hat. 

Oder aber dein Kind merkt, dass zwischen Wunsch und Realität noch ein „Misfit“ vorliegt: Das, was es sich vorgenommen hat, klappt einfach noch nicht – zum Beispiel akkurat ausschneiden, balancieren, einen Purzelbaum schlagen. Und manchmal sind es auch einfach äußere Gegebenheiten, die zu Enttäuschung führen: Der Streichelzoo ist geschlossen, das Schwimmbecken nur für Schwimmer freigegeben, das erhoffte Spielzeug war nicht auf dem Geschenketisch.

Reaktionen auf Enttäuschungen sind vielfältig

Kinder reagieren unterschiedlich auf Enttäuschung: mit lautstarker Frustration, mit Zurückgezogenheit, mit Quengeln, mit Traurigkeit oder Tränen. Du als Mama oder Papa fragst dich vielleicht, wie du am besten damit umgehst und wie du dein Kind in solchen Situationen am besten begleitest. Dazu haben wir heute fünf Strategien für dich. 

Frustrationstoleranz will gelernt sein

Für uns Eltern ist es wichtig, zu wissen: Der Umgang mit Enttäuschung und Frustration ist nicht angeboren. Er muss erst einmal erlernt werden. Kinder müssen ein Verständnis dafür entwickeln, dass Enttäuschung und Frustration genauso zum Leben dazugehören wie Erfolg und Freude. Daraus entwickeln unsere Kinder im besten Fall eine gewisse Resilienz für die Niederschläge, die im Laufe des Lebens zu verkraften sind. Für uns Eltern heißt das also: Es geht nicht darum, den Schmerz von unseren Kindern fernzuhalten oder ihn ihnen abzunehmen.

Es hilft unseren Kindern übrigens auch nicht, wenn wir uns mit ihren großen Gefühlen komplett identifizieren und sie uns zu eigen machen. Für Kinder sind starke elterliche Gefühlsausbrüche oft schwer zu verkraften. Sie fühlen sich dann schnell hilflos und vermissen den starken Fels in der Brandung. Es geht also vielmehr darum, für die Kids da zu sein und auch die unangenehmen Gefühle wie Enttäuschung und Frustration gemeinsam auszuhalten. 

5 Strategien, um mit Enttäuschung bei Kindern umzugehen

Und konkret? Da helfen dir unsere fünf Strategien. Manchmal funktioniert eher die eine, manchmal eher die andere und manchmal mehrere zusammen – du kannst gerne experimentieren, was in welcher Situation für dich und dein Kind am besten passt.

1. Erkläre den Kontext

Wenn die Enttäuschung deines Kindes mit einem äußeren Umstand zusammenhängt, hilft es deinem Kind, zu erklären, warum etwas passiert. Zum Beispiel, dass die Geschäfte am Sonntag geschlossen sind und ihr deshalb nichts einkaufen könnt. Es ist für den Selbstwert deines Kindes wichtig, dass es die enttäuschenden Umstände nicht nur auf sich bezieht. Klarheit und größtmögliche Weichheit in der Kommunikation helfen, dich mit deinem Kind zu verbinden und die Enttäuschung zu überwinden.

2. Validiere die Emotionen

Schon kleinen Kindern hilft es, wenn wir die Situation beschreiben und ihnen helfen, ihre Gefühle dazu zu benennen. Zum Beispiel: „Du bist sauer, weil es jetzt keinen Nachtisch/keine weitere Geschichte/kein neues Stofftier gibt? Das verstehe ich.“ Es geht nicht darum, dass wir alle frustrierende Umstände sofort beheben müssen. Wichtiger ist es, dass wir die Enttäuschung oder die Wut gemeinsam aushalten und sie dann auch wieder gehen lassen.

3. Erkunde die Ursache

Wenn unsere Kids enttäuscht oder frustriert reagieren, sehen wir zunächst nur ihr Verhalten. Es lohnt sich, die Hintergründe zu verstehen. Das ist gerade dann wichtig, wenn das enttäuschende Erlebnis oder der Misserfolg außerhalb des für uns sichtbaren Bereichs stattfindet – zum Beispiel im Kindergarten oder beim Besuch von Oma und Opa. Hier hilft es, im Gespräch mit deinem Kind herauszufinden, warum es so enttäuscht ist – was also seine Erwartung an die Situation oder an andere Menschen war, die nicht eingetreten ist. Tipp: aktiv zuhören und empathisch zurückmelden, was du gehört hast.

4. Sucht gemeinsam Lösungen:

Wir können unseren Kindern helfen, aus einer Negativspirale von „Ich kann das nicht“ oder „Niemand spielt mit mir“ herauszukommen, wenn wir ihnen Selbstwirksamkeit ermöglichen. Am besten im Tun: wenn etwas nicht klappt, übt gemeinsam oder frage dein Kind, was es stattdessen machen möchte. Wenn dein Kind sich nach Spielkameraden sehnt: macht selbst ein (coronakonformes) Playdate aus.

5. Vermittle deine Strategien:

Kinder machen oft nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun. Nimm dir in einen neutralen Moment die Zeit, mit deinen Kindern deine Strategien gegen Enttäuschung zu besprechen. Das sollte Ereignisse betreffen, die sie nachvollziehen können. Zum Beispiel, wenn ein Kuchen nicht gelingt oder du etwas Wichtiges vergisst. Du vermittelst deinen Kindern so: Es ist ok, Fehler zu machen, es ist in Ordnung, enttäuscht zu sein und es gibt Strategien, wie du Enttäuschungen überwinden kannst.

Die Enttäuschung entlarvt die Täuschung

Natürlich würden wir am liebsten unseren Kindern alle Misserfolgen und Enttäuschungen ersparen. Pater Anselm Grün, der bekannte Benediktinermönch, hat etwas sehr Weises zur Wirksamkeit von Enttäuschung geschrieben: „Die Enttäuschung entlarvt die Täuschung, der ich bisher verfallen war, und hebt sie auf. Sie zeigt mir, dass mein Selbstbild nicht gestimmt hat, dass ich mich falsch eingeschätzt habe. So ist die Enttäuschung die Chance, das wahre Selbst zu entdecken.“

So stärkt der richtige Umgang mit Enttäuschungen nicht nur den Charakter deines Kindes, sondern auch seine Selbstwahrnehmung.