Familienkonferenz

Wie du Konflikte mit Kindern nachhaltig lösen kannst

Familienkonferenz

Wie können Familienkonferenzen helfen, Konflikte im Familienleben zu lösen? 

“Mama, ist schon Sandmännchen-Zeit?” Diese tägliche Frage meiner Jungs hat mich irgendwann genervt. Ich mag zwar Strukturen und Routinen, aber täglich um 18:50 Uhr in den Startlöchern zu stehen für Sandmännchen und Co. passte mir nicht. Auch, aber nicht nur, weil ich als berufstätige Mutter eher abends Zeit und Muße für die Kinder habe, die ich nur ungern mit Tib & Tumtum, Nils Holgersson oder Zeichentrick-Robin-Hood teile. Die Kids dagegen waren jeden Abend, wenn es nicht klappte, enttäuscht. 

Ein guter Zeitpunkt also, um systematisch etwas zu ändern, statt jeden Abend einen Konflikt auszustehen. Aber wie? Geholfen hat uns eine Familienkonferenz und ein Laminiergerät.

Wieso entsteht Streit überhaupt?

Für Konflikte zwischen uns Eltern und den Kids gibt es verschiedene Ursachen. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse oder aber die gleichen Bedürfnisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten – Stichwort Schlaf! Unsere Kinder lernen gerade erst, ihre Gefühle zu regulieren und wir Erwachsene schaffen es auch nicht immer, ihnen mit Geduld und Nachsicht zu begegnen. Und gerade jetzt verbringen wir alle sehr viel Zeit miteinander und das meistens in den eigenen vier Wänden. In dieser engen Verbindung erleben wir nicht nur positive Gefühle verstärkt, sondern auch eher die unangenehmen Gefühle, die dann schnell zu Konflikten führen.

Konflikte sind da, wo Menschen sind

Doch grundsätzlich haben Konflikte auch positive Seiten und sind wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und die Identitätsfindung deines Kindes. Stell dir nur vor, dein Kind wüsste nicht, was Konflikt, Streit oder Zoff wären, wenn es in die Grundschule kommt. Dann müsste es schnell aufholen, denn Konflikte sind da, wo Menschen sind.

Ein wichtiger Schritt in der Begleitung unserer Kids ist es, ihnen beizubringen, Konflikte konstruktiv und respektvoll zu lösen. Es sollte nicht darum gehen, eine Person anzugreifen oder abzuwerten, sondern darum, Möglichkeiten zu finden, das Miteinander wertschätzend zu gestalten. Eine Methode, um wiederkehrende Konflikte oder Themen zwischen Eltern und Kindern anzugehen, ist die sogenannte Familienkonferenz.

Familienkonferenz als Mittel zur Kommunikation

Die Familienkonferenz ist ein Kommunikations-Modell, das der Psychologe Thomas Gordon entwickelt hat. Es geht darum, Konflikte, die innerhalb der Familie entstehen, gemeinsam zu lösen. Der Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der Eltern-Kind-Kommunikation: Statt dass alles “top-down” von den Eltern definiert wird, geht es um Austausch, Verhandlung und letzten Endes darum, eine Vereinbarung zu treffen, bei der niemand eine Niederlage einstecken muss. Gordon sagt übrigens, dass schon Kinder ab einem Lebensalter von drei Jahren an einer Familienkonferenz teilnehmen können.
Und wie geht es konkret? Dafür haben wir 6 Tipps, wie du in deiner Familien eine Familienkonferenz nach Gordon umsetzen kannst:

Tipps zum Ablauf der Familienkonferenz

  1. Schaffe Raum: Egal, ob die Familienkonferenz als ein regelmäßiger Termin bei euch in der Familie etabliert wird oder eher einberufen wird, wenn es brennt: Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen. Alle Betroffenen sollten anwesend sein und während der Familienkonferenz sind Handy, Tablet, Fernseher und sonstige Ablenkungen tabu.
  2. Jede*r darf etwas sagen: Setzt euch zusammen und benennt das aktuelle Thema, den größten Konflikt, der euch gerade als Familie beschäftigt. Trennt dabei am besten Beobachtungen von Gefühlen und formuliert eure Sätze in Ich-Botschaften (“Ich finde es nicht gut, wenn wir gehetzt zu Abend essen, damit ihr Sandmännchen gucken könnt”). Wichtig: Jedes Familienmitglied sollte sich äußern dürfen. Und: es sollte klar sein, wer das Problem hat. Zu viel Fernsehgucken bei den Kids ist eher mein Problem – die Kinder finden das super.
  3. Brainstormt zusammen: Sammelt gemeinsam Ideen, wie ihr die Situation verbessern könnt. Jedes Familienmitglied sollte sich äußern und seine oder ihre Perspektive einbringen. Es hilft, die Ideen aufzuschreiben – entweder jede*r für sich oder auf einen großen gemeinsamen Ideenzettel.
  4. Entscheidet gemeinsam: Diskutiert über die einzelnen Vorschläge und bewertet, ob sie das Problem lösen. Entscheidet dann zusammen, welche ihr ausprobieren wollt. Wichtig ist aktives Zuhören: ausreden lassen, nachfragen, umschreiben, um sicherzugehen, dass ihr euch gegenseitig hört. Ihr könnt auch einen Redeball oder einen Redestift zur Hilfe nehmen, der zeigt, wer das Wort hat.
  5. Erstellt eine Vereinbarung: Die Lösung oder die Vorschläge, für die ihr euch entschieden habt, solltet ihr am besten noch mal “in Reinschrift” festhalten. Ihr könnt sie als Zeichen der Verbindlichkeit auch unterschreiben und an einen Gemeinschaftsort aufhängen.
  6. Überprüft die Umsetzung: Vereinbarungen sind super. Aber Wirkung entfalten sie nur, wenn man sie einhält. Überprüft, wie es euch in der Praxis mit den Lösungen geht, die ihr definiert habt. Erinnert euch gegenseitig in Ich-Botschaften daran, wenn sich mal jemand nicht daran hält. Und wenn der Konflikt nicht wirklich gelöst ist: Zurück zum ersten Schritt

Familienkonferenzen lassen uns wachsen

Durch die Familienkonferenz lernt nicht nur dein Kind, wie sich Konflikte fair und ohne zu schreien lösen lassen. Auch wir Erwachsene wachsen durch die Methode. Wir lernen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und wir nutzen die Kreativität und die Ideen aller Familienmitglieder, um mehr Harmonie in den Familienalltag zu bringen.

Bei uns sah das am Ende so aus, dass wir eine Fernsehvereinbarung hatten, mit der wir alle gut leben konnten. Unterschrieben und laminiert hängt sie normalerweise an der Pinnwand, wenn nicht einer der Jungs sie vor lauter Ärger über etwas ganz anderes versteckt. Aber irgendwie ist die Vereinbarung schon so Teil unseres Familienlebens geworden, dass wir noch nicht mal das Blatt benötigen, um sie umzusetzen. Frohes Diskutieren wünsche ich dir!