Lernstrategien

Wie dein Kind das Lernen lernt

Lernstrategien

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„Wenn man einem Menschen einen Fisch gibt, so ernährt man ihn für einen Tag. Wenn man ihn lehrt zu fischen, so ernährt man ihn für sein Leben.“ Das ist – kurz gefasst – der Sinn hinter Lernstrategien. Lernen können ist eine Fähigkeit, die für die Schul- und Ausbildungslaufbahn unserer Kinder und generell für ihr späteres Leben eine enorme Bedeutung hat. Sie ist vielleicht sogar wichtiger als alles Wissen, das dein Kind im Rahmen seiner Schullaufbahn lernt. Das Beste, was wir Eltern unseren Kindern also beibringen können, ist, wie sie mithilfe von Lernstrategien lernen. 

Was sind Lernstrategien?

Um einfacher und effizienter Lernen zu lernen, brauchen wir Lernstrategien. Das sind Methoden, die dabei helfen, Lernstoff besser zu bewältigen und Lernziele zu erreichen. Sie lassen sich besonders gut  auf neue, unbekannte Probleme und Aufgaben anwenden. Nutzt dein Kind eine Strategie erfolgreich, erfährt es sich im Lernprozess als selbstwirksam und merkt gleichzeitig, dass es sich weiterentwickeln kann.

Die Gehirnforscherin Margret Arnold hat in ihren zwölf Prinzipien der Neurodidaktik festgehalten, dass das Gehirn am effektivsten lernt, wenn vielfältige Sinne angesprochen werden. Daher lohnt es sich, nicht nur eine, sondern verschiedene Lernstrategien kennenzulernen und auszuprobieren.

Positive Auswirkungen von Lernstrategien

Durch Lernstrategien können unsere Kinder eine wachstumsorientierte Einstellung zu ihren eigenen Fähigkeiten entwickeln oder festigen. Zudem entwickelt sich die Lernerautonomie unserer Kinder weiter. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit, selbständig und eigenverantwortlich zu lernen. Mit der Zeit können unsere Kinder sich so eigene Ziele setzen, Lernstrategien bewusst einsetzen, die Lernzeit einteilen und kontrollieren, ob sie erfolgreich gelernt haben. Das braucht natürlich Übung und wird einem Erstklässler oder einer Erstklässlerin nicht sofort gelingen. Je früher unsere Kids sich aber an Lernstrategien probieren, desto früher entwickeln sie eine wichtige Ressource: sich selbst Dinge beizubringen.

 

Zusätzlich kommen unsere Kinder mithilfe von Lernstrategien in den Flow. “Flow” bedeutet, sich in völliger Vertiefung zu konzentrieren und in seiner Lerntätigkeit voll aufzugehen. Flow kann immer dann entstehen, wenn Fähigkeiten und Anforderungen im Einklang sind. Lernmethoden können helfen, das Ziel einer Aufgabe oder Übung und den Weg dahin zu klären und so einen Flow-Zustand befördern. Unsere Kinder können durch Lernstrategien das Gelernte einfacher im Gedächtnis speichern, neues Wissen besser mit Vorwissen verknüpfen und eher im Langzeitgedächtnis verankern. Und eine, der besten Auswirkung bei der Anwendung von Lernstrategien ist: Sie können auch die Lust auf das Lernen steigern – eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. 

Welche Lernstrategien gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Lernstrategien mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Strategien, die zur Informationsverarbeitung und dem Wissenserwerb dienen, gehören zu den kognitiven Lernstrategien. Sie werden meist in vier Kategorien gegliedert: Wiederholung, Organisation, Elaboration und Reflexion. Sie helfen dabei, Lernstoff besonders gut im Gehirn zu speichern. Die Lerntechniken aus den unterschiedlichen Kategorien kann dein Kind auf verschiedene Fächer, Themen oder Lernaufträge anwenden.

Fünf Lernstrategien, die du mit deinem Grundschulkind anwenden kannst

Gerade in der Grundschulzeit ist es hilfreich, wenn dein Kind viele Lerntechniken kennenlernt. Nicht alle Lehrkräfte vermitteln Lernstrategien in der Schule. Dann sind wir Eltern gefragt und können sie unseren Kids beibringen. Wir stellen dir nun fünf Strategien vor:

Strategie 1: Die Lernbox nach Leitner (Wiederholungsstrategie)

Ziel: Wissen soll im Langzeitgedächtnis verankert werden. 

Beschreibung: Die Lernbox ist eine kleine Box mit fünf Fächern. In diese Fächer werden jeweils Karten gelegt, auf die Fragen zu Vokabeln oder Aufgaben notiert werden. Wenn während des Lernens eine Frage richtig beantwortet wird, wandert die Karte ein Fach nach hinten, wenn sie falsch beantwortet wird, wandert die Karte wieder ein Fach nach vorne. Jede neue Karte beginnt ganz vorne. Wenn alle Karten im hintersten Fach sind, kann mit neuen Karten gestartet werden. 

So geht’s: Ihr nutzt zum Beispiel drei Fächer: 1, 2 und 3. Anfangs befinden sich alle Karten in Fach 1. Kennt dein Kind die Lösung einer Karteikarte bei erstmaliger Vorlage, so wird diese ein Fach weiter nach hinten gesteckt. War die Lösung bei erster Vorlage nicht richtig, so wandert die Frage wieder ganz nach vorne ins Fach 1. Die Karten im Fach 1 wiederholt dein Kind täglich, die Karten im Fach 2 jeden zweiten und die Karten im Fach 3 jeden vierten Tag. Die Karten werden so oft wieder vorgelegt, bis dein Kind alle Fragen beherrscht.

Strategie 2: Die Loci-Methode (Wiederholungsstrategie)

Ziel: Informationen werden mit Bildern verknüpft und so schneller gelernt und verinnerlicht.

Beschreibung: Loci leitet sich vom lateinischen Wort “Locus” ab und bedeutet so viel wie Ort oder Platz. Dein Kind verbindet in dieser Methode den Lernstoff mit Gegenständen der Realität, die sich an einem Ort eurer Wahl befinden.

So gehts: Legt gemeinsam Punkte fest, entweder am Körper deines Kindes als Körperroute oder im Raum als Raumroute. Denkbar sind auch andere Strecken, wie z.B. der Schulweg. An diesen Routenpunkten kann dein Kind dann Schlüsselwörter anhängen. Diese Schlüsselwörter können zum Beispiel Vokabeln sein, die es so mit einem Gegenstand im Gehirn verknüpfen kann. Läuft es gedanklich die Route ab, kann es sich besser a die Vokabeln erinnern, weil diese räumlich verknüpft sind.

Strategie 3: Die Eisenhower-Methode (Organisationsstrategie)

Ziel: Die Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit zu unterteilen. So lernen Kinder Aufgaben zu planen und einzuschätzen, welche Arbeit zeitnah erledigt werden sollte und welche noch warten kann.
Beschreibung: Bei dieser Methode wird zwischen wichtigen, nicht wichtigen, dringenden und nicht dringenden Aufgaben unterschieden. Als Unterstützung könnt ihr ein Diagramm erstellen. Die zu erledigenden Aufgaben schreibt ihr auf bunte Klebezettel und dann ordnet ihr sie den einzelnen Kategorien zu.
So gehts: Notiert gemeinsam die vier Kategorien auf einem Blatt. Auf einer Achse steht wichtig <> nicht wichtig, auf der anderen Achse dringend <> nicht dringend. Daraus ergeben sich vier Felder. 

 

Danach schreibt ihr die Aufgaben, die in nächster Zeit für die Schule anfallen, je auf einen Klebezettel. Dann ordnet ihr sie den verschiedenen Kategorien zu. Eine Aufgabe kann zum Beispiel auch besonders wichtig sein, aber nicht sonderlich dringlich. Steht zum Beispiel morgen ein Mathematik-Test an und erst nächste Woche ein Deutsch-Test, dann wäre der Mathematik-Test in diesem Fall wichtig und dringlich.

Strategie 4: Die Pomodoro-Technik (Organisationsstrategie)

Ziel:  Es wird konzentriert und fokussiert über einen kurzen Zeitraum hinweg an einer Aufgabe gearbeitet. Dabei wird das jeweilige Konzentrationslevel nicht überstiegen.

Beschreibung: Bei dieser Technik wählt dein Kind eine Aufgabe aus und stellt einen Wecker, z. B. auf 15 Minuten. Innerhalb dieser Zeit wird die Aufgabe konzentriert und ohne Unterbrechung bearbeitet. Danach gibt es eine Pause von fünf Minuten, um dann wieder 15 Minuten zu arbeiten, bis die Aufgaben erledigt sind. Nach insgesamt vier Lerneinheiten folgt eine größere Pause von 15 bis 30 Minuten. Bei älteren Kindern kann die Konzentrationsphase auf bis zu 25 Minuten ausgedehnt werden. 

So gehts: Positioniere einen Wecker auf dem Tisch und stelle ihn auf 15 Minuten ein. Besprich mit deinem Kind, dass ihr nach den 15 Minuten eine fünfminütige Pause macht. Beobachte dabei, wie konzentriert und fokussiert dein Kind lernt und passe die Zeit bei der nächsten Einhalt an seine tatsächliche Aufmerksamkeitsspanne an.

Strategie 5: Das Lerntagebuch (Reflextionsstrategie)

Ziel: Durch regelmäßige Lerntagebuch-Einträge unterstützt dein Kind seinen Reflexionsprozess. Es findet heraus, was gut klappt, was noch nicht so läuft und was es ändern möchte. 

Beschreibung: Das Lerntagebuch sollte am besten über einen längeren Zeitraum hinweg geführt werden. Hierbei kann sich dein Kind die Dinge in das Lerntagebuch schreiben, die es für wichtig erachtet und die vielleicht noch etwas Wiederholung benötigen.

So gehts: Nehmt euch einen Notizblock zur Hand oder ein Heft. Am besten verziert dein Kind es so, wie es ihm gefällt. Dann wird es das Lerntagebuch als etwas ganz Persönliches wahrnehmen, das es begleitet.

Schreib dann gemeinsam mit deinem Kind ein paar Fragen hinein. Für Grundschulkinder eignet sich eine Mischung aus geschlossenen und offenen Fragen, damit sich beim Ankreuzen schnell ein Erfolgserlebnis einstellt. Hier findest du eine Liste möglicher Fragen, aus denen ihr euch 3 – 5 aussuchen solltet: 

Geschlossene Fragen

  • Ich habe die Aufgabe verstanden.
  • Ich habe mich gut konzentriert.
  • Diese Aufgabe war einfach.
  • Diese Aufgabe war kompliziert.
  • Ich habe die Aufgabe schnell erledigt.
  • Das Thema hat mich interessiert.
  • Ich möchte gern mehr darüber erfahren.
  • Die Aufgabe hat Spaß gemacht.
  • Ich weiß, wie ich das neu erworbene Wissen anwenden kann.

Offene Fragen

  • Was habe ich heute Neues gelernt?
  • Was fiel mir leicht, was fiel mir schwer?
  • Welche Schwierigkeiten hatte ich?
  • Welche Informationen fehlen mir? Was ist noch offen?
  • Wie habe ich die Aufgaben gelöst? 
  • Wie bin ich mit Schwierigkeiten umgegangen?
  • Was habe ich nicht verstanden?
  • Was möchte ich noch über das Thema darüber wissen?
  • Wann und wie werde ich das angehen?
  • Wo kann ich das Gelernte anwenden?
  • Das muss ich mir noch einmal ansehen:
  • Das hatte ich mir vorgenommen:
  • Was hat mir besonders gefallen?
  • Was hat mich genervt?
  • Das wünsche ich mir:
Am besten beantwortet dein Kind die ausgewählten Fragen nach einer festen Routine, zum Beispiel jeden Schultag oder jeden zweiten Tag.

Ein Tipp zum Schluss: Fangt bei der Anwendung mit einer Lernstrategie an und ergänzt nach und nach neue. Mit etwas Übung kann jede Technik gelernt werden. Kommt dein Kind mit der einen oder anderen Strategien nicht klar, probiert einfach eine andere aus. Denn nur, wenn sie deinem Kind das Lernen vereinfachen, sind sie hilfreich.

 

In unserem Artikel zum Thema Lernen mit Kindern findest du weitere Tipps, wie du dein Kind im Lernalltag begleiten und fördern kannst.