Trocken werden Sauberkeitstraining

Trocken werden oder der Weg von der Windel zum WC

Es ist ein Teil der kindlichen Entwicklung wie Laufen lernen, Sprachentwicklung oder die Unterscheidung von Farben. Die Rede ist vom trocken werden, auch sauber werden oder Sauberkeitstraining genannt. Kurz: der Weg von der Windel zum WC.

Das “Trocken werden” ist ein Reifungsprozess, in dem Kinder lernen, ihren Schließmuskel zu kontrollieren und sich erst dann zu entleeren, wenn sie das Töpfchen oder die Toilette erreicht haben. Je nachdem, welchen Studien man folgt und in welchem Kulturkreis man sich bewegt, sind Kinder ab Geburt “reif” fürs Sauberkeitstraining und können bereits mit 9 Monaten trocken sein. In unserer westlichen Kultur wird eher die Meinung vertreten, dass Kinder mit etwa zwei bis zweieinhalb Jahren reif sind, den Prozess des Trocken werden zu beginnen.

Trocken werden als “kindorientierter” Prozess

Weitgehende Einigkeit besteht mittlerweile darüber, dass trocken werden ein kindorientierter Prozess sein sollte. Das heißt: dein Kind muss physisch und emotional bereit sein, sich von der Windel zu verabschieden. Wann das der Fall ist, ist jedoch von Kind zu Kind verschieden und sowohl aus Studien, als auch aus vielen Gesprächen wissen wir, dass es auch auf die Einstellung der Eltern ankommt. Auch die Betreuungssituation spielt eine Rolle. Bei Krippenkindern ist ein Sauberkeitstraining, das vor allem auf die Beachtung der Signale der windelfreien Kids setzt, den Erzieher*innen berechtigterweise schwerer zu vermitteln. Letztlich kommt es neben Kind und Eltern also auch auf den Kontext an.

Ab wann sollte man Sauberkeitstraining beginnen?

Der Frage nach dem “richtigen” Zeitpunkt für den Beginn des trocken werden sind amerikanische Forscher*innen nachgegangen. Fazit einer groß angelegten Studie: Je früher Eltern mit dem Sauberkeitstraining begannen, desto länger dauerte es. Bei Kindern im Alter von 18-21 Monaten im Schnitt 10-16 Monate. Bei Kindern im Altern von 33 Monaten und älter dauerte es im Schnitt nur noch 4-6 Monate. Irgendwie ist da Fazit also: Es kommt darauf an, was man will. 

Wann für euch der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dein Kind beim trocken werden zu unterstützen, wird dir dein Kind durch verschiedene Signale mitteilen. So zeigt es beispielsweise vermehrt Interesse an der Toilette, sträubt sich gegen eine Windel oder fordert mit Gestern oder Worten den selbständigen Gang zum Töpfchen oder zur Toilette ein. Wann das genau ist, ist sehr individuell. Wie bei so vielen Themen in der kindlichen Entwicklung lohnt es sich, Elternvergleiche dazu entspannt zu ignorieren. Denn zum einen definiert jede*r “trocken sein” unterschiedlich und zum anderen hat dein Kind genau das Tempo, das zu ihm passt. Es gibt übrigens Studien zufolge auch keinen Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem ein Kind trocken wird und dem späteren IQ. 

So kannst du dein Kind beim trocken werden unterstützen – 7 Tipps

Für das eigentliche Sauberkeitstraining gibt es verschiedene Ansätze: eher kürzere, dafür intensivere und eher längere, bei denen du dich stärker zurücknimmst und dein Kind Regie führt. Auch hier gibt es keine goldene Regel und Forscher*innen konnten keine Überlegenheit der einen oder anderen Methode feststellen. 

Unabhängig von der Methode, die du anwendest, haben wir 7 Tipps für dich,  wie du dein Kind entspannt beim trocken werden unterstützen kannst.

  1. Nimm den Druck raus: Versuche, Druck zu vermeiden, da dies bei deinem Kind Stress auslösen und somit den Gang zur Toilette negativ behaften kann. Auch bei kürzeren Sauberkeitstrainings gilt: Zwing dein Kind nicht, die Toilette oder das Töpfchen zu benutzen. Schimpfen, Strafen, Vorwürfe und Drängeln sind meist kontraproduktiv.

  2. Sei ein Vorbild: Unsere Kinder tun nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun. Also: Wenn es dir möglich ist, lassee dein Kind teilhaben. Schließe die Toilettentür nicht ab, sodass dein Kind sieht, wie das Thema Toilettengang funktioniert. Auch, wenn zwei Minuten alleine sein auch mal ganz schön wäre…

  3. Lass dein Kind mitbestimmen: Um dein Kind nicht nur beim trocken werden zu unterstützen, sondern auch seine Autonomie zu fördern, kannst du ihm die Wahl zwischen Toilettenaufsatz oder Töpfchen bieten. Vielleicht mag dein Kind auch mit verschiedenen Arten von Toilettenpapier experimentieren. Weitere Möglichkeiten, die Selbstständigkeit deines Kindes zu fördern, findest du hier.

  4. Wähle die richtige Kleidung: Damit kein komplizierter Reißverschluss dein Kind vom Toilettengang abhält, wähle Kleidung, die dein Kind selbst schnell an- und ausziehen kann. Leggins, Sweatpants und Unterhosen sind für dein Kind einfacher zu handhaben als ein Body oder eine Latzhose.

  5. Schaffe Routinen: Durch Routinen lernt dein Kind, seine Blase regelmäßig zu entleeren. Bitte dein Kind zum Beispiel vor dem Einkaufen, Spaziergang oder Schlafengehen, auf die Toilette zu gehen. Das ist zwar kein Garant, dass dann alles trocken bleibt, aber ein Versuch ist es wert. Auch hier gilt: vermeide Zwang.

  6. Betrachte Tag und Nacht unterschiedlich: Es ist völlig normal, dass Kinder, die tagsüber weitgehend unfallfrei sind, nachts noch Windeln oder Windelhöschen tragen. Nachts geht es ums Aufwachen bei Harn- oder Stuhldrang und dies ist eine andere Fähigkeit, als tagsüber auf die körpereigenen Signale zu achten. Erst ab einem Alter von etwa sechs Jahren ist es ratsam, regelmäßiges nächtliches Einnässen beim Kinderarzt oder der Kinderärztin checken zu lassen.

  7. Triff Vorsichtsmaßnahmen: Auch wenn dein Kind zu Hause schon eigenständig auf Toilette geht, unterwegs kann schnell der eine oder andere Unfall passieren. Wechselwäsche, Feuchttücher und eine Portion Humor können dir und deinem Kind helfen, solche Situationen gelassen zu meistern.

Jedes Kind braucht seine eigene Zeit, um den Weg von der Windel zum WC zu meistern. So nervig das Wechseln von Windeln bei Kleinkindern oder das Beseitigen von kleinen oder größeren Unfällen sein kann: Dein Kind will dich nicht ärgern. Trocken werden ist einfach: ein Lernprozess.