Der Umgang mit schlechten Noten

Wie du dein Kind am besten im Schulalltag begleitest

Umgang mit schlechten Noten

Im Laufe der Grundschulzeit, oft im zweiten Schuljahr, bringen unsere Kinder ihre ersten Noten mit nach Hause. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie wir als Eltern mit diesen formalen Leistungsbeurteilungen umgehen: Wie reagieren wir nach einem schlecht ausgefallenen Test? Macht es einen Unterschied, ob ein Kind gelernt hat oder nicht? Ist es gut, unsere Kinder zu animieren, mehr zu üben oder bewirken wir damit nur das Gegenteil? Was ist der beste Umgang mit schlechten Noten?

 

Wahrscheinlich wünschen wir uns alle für unsere Kinder, dass sie eine glückliche Schulzeit habe und die Grundlage für ihre weitere Laufbahn legen, denn Noten sind immer noch die Eintrittskarte für viele Ausbildungen oder Studiengänge. Gleichzeitig wollen wir sie zu selbstbewussten und zufriedenen Erwachsenen heranwachsen sehen, die sich nicht nur über ihre Leistung definieren. Die guten Nachrichten: Wir können sie bei beidem unterstützen, indem wir ihnen dabei helfen, sich selber einen guten Umgang mit schlechten Noten anzueignen.

Die innere Motivation deines Kindes zählt

Noten können unsere Kinder ermutigen, motivieren und ihnen Auftrieb geben. Sie können jedoch auch demotivieren, enttäuschen und für Tränen sorgen. Noten sind auch nicht 100%tig ein Ausdruck des Wissens oder der Kompetenzen unserer Kinder. Manchmal ist einfach Glück oder Pech im Spiel. 

 

Umso wichtiger ist es, dass unsere Kids nicht der Noten wegen lernen. Ihre inneren Antreiber, sich Wissen oder Fähigkeiten anzueignen, sind viel stärker und nachhaltiger als Noten es sein können. Die innere Motivation, zu lernen, ist mit dem “Growth Mindset” verbunden – also der Überzeugung deines Kindes, dass es seine Fähigkeiten weiterentwickeln kann. 

FEHLER sind HELFER

“Fehler helfen meinem Gehirn, zu wachsen.” So beschreibt Verena Hasel in ihrem Buch “Der tanzende Direktor” den Satz, der als positiver Glaubenssatz in der Grundschule in Neuseeland so oft eingesetzt wird, dass die Erstklässler ihn schon auswendig können. Bei einem “Fixed Mindset” dagegen fallen schnell mal Sätze wie “Es lohnt sich nicht, mich anzustrengen, ich bekomme ja eh eine schlechte Note.” Dein Kind hat kein Vertrauen in seine Fähigkeiten und sieht diese stattdessen als etwas Festgelegtes oder Statisches an. 

 

Die Art und Weise wie Kinder mit Noten umgehen, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Durch unsere Reaktion auf schlechte Noten können wir ihnen einen konstruktiven Umgang mit Misserfolgen zeigen und gleichzeitig ihr Selbstwertgefühl stärken. Wie das geht? Dazu haben wir vier Tipps für dich.

4 Tipps zum Umgang mit schlechten Noten

1. Vergleiche die aktuelle Leistung deines Kindes mit seiner vergangenen Leistung

Statt die Noten deines Kindes mit den Noten der Mitschüler und Mitschülerinnen zu vergleichen oder nach dem Klassendurchschnitt zu fragen: Schau auf die Entwicklung deines Kindes. Ein Kind, das sich schwer im Fach Deutsch tut, kann auf eine Drei richtig stolz sein. Viel wichtiger ist es also, die aktuellen Leistungen deines Kindes mit vergangenen Leistungen zu vergleichen. Schaut euch die Noten aus dem letzten und vorletzten Test an und vergleicht sie mit den aktuellen Noten. So kann dein Kind seine eigene Lernentwicklung nachvollziehen und überprüfen, ob seine Lernstrategien wirkungsvoll sind oder es vielleicht eine andere anwenden sollte. Mehr zum Einsatz von Lernstrategien erfährst du in unserem Audiokurs “Raus aus dem Schulstress – Besser lernen mit Grundschulkindern”.

2. Schätze die Anstrengung deines Kindes

Wir tun unseren Kindern keinen Gefallen, wenn wir sie für ihre Leistungen belohnen oder bestrafen. Belohnungen und Bestrafungen können nicht nur Leistungsdruck bei deinem Kind erzeugen, sondern auch seine innere Antriebskraft reduzieren. Dein Kind lernt dann nicht mehr aus seinem eigenen, inneren Antrieb heraus, sondern nur, um eine Strafe abzuwenden oder etwas zu erhalten. Sobald es die Belohnung nicht mehr gibt, wird auch die Leistungsbereitschaft einknicken. Lobe stattdessen beschreibend die Anstrengung deines Kindes, indem du zum Beispiel sagst: “Toll, dass du dir Mühe gegeben hast, das vorher zu üben.”

3. Sei für dein Kind da

Wenn dein Kind mit einer “schlechten” Note nach Haus kommt, sag ihm, dass schulische Leistungen nichts über seinen Wert aussagen und dass es liebenswert ist, genau so, wie es ist. Wenn es eine Arbeit verhauen hat, benötigt es keine weitere Kritik, sondern eine Umarmung und Zuspruch. Sag deinem Kind zum Beispiel “Es war ein Test. Der ist daneben gegangen. Aber du als Mensch bist genauso toll, wie du es schon vorher warst. Lass uns mal gemeinsam überlegen, was du beim nächsten Mal anders machen kannst. Wir kriegen das zusammen hin.” Oder du erzählst deinem Kind, wie es für dich war, als du einmal eine schlechte Note geschrieben hast und was dir geholfen hat. Uns alle tröstet das Gefühl, nicht allein mit unseren Problemen zu sein und dadurch fühlen wir fühlen uns eher gestärkt, es anzupacken.

4. Überlegt gemeinsam, was gelungen ist und was dein Kind beim nächsten Mal besser machen kann

Noten werden nur besser, wenn ein Schüler etwas dafür tut, so der Schulpsychologe und Autor Christoph Eichhorn. Fehlen deinem Kind zum Beispiel Punkte in dem Test, weil es etwas überlesen oder verwechselt hat? Oder hat dein Kind zu viel Druck und Stress verspürt? Eine schlechte Note kann auch bedeuten, dass dein Kind nicht organisiert ist und es an Struktur fehlt. Lernstrategien sind ein tolles Werkzeug, um den Lernstoff besser zu bewältigen und Lernziele zu erreichen. Mehr zum Thema Lernstrategien und wie du diese mit deinem Kind anwenden kannst, findest du hier.

Wenn dein Kind mal eine schlechte Note aus der Schule mit nach Hause bringt, ist das kein Weltuntergang. Ganz im Gegenteil: Es ist eine großartige Möglichkeit, um langfristig einen guten Umgang mit “Misserfolgen” zu trainieren. Unser Umgang mit Fehlschlägen hat große Auswirkungen auf unsere allgemeine Lebensqualität und unsere Resilienz. Deshalb sollten wir unsere Kinder dabei unterstützen, ihre schlechten Noten nicht als generelles Versagen zu betrachten, sondern als Möglichkeit, zu wachsen.

Quellen
  • Eichhorn, Christoph (2008): Classroom-Management: wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart. S. 43, 79, 214.
  • Rosenberg, Marshall B. (2005): Kinder einfühlend unterrichten – Wie SchülerInnen und LehrerInnen durch gegenseitiges Verständnis Erfolg haben können. Junfermann Verlag, Paderborn. S. 52, 54.
  • Misserfolge meistern: https://www.mit-kindern-lernen.ch/lernen-kinder/mit-fehlern-und-misserfolgen-richtig-umgehen/142-misserfolge-meistern