Warum Kinder so laut reden

Warum Kinder so laut reden

Im Familienalltag geht es oft turbulent und laut zu, egal ob am Esstisch, im Badezimmer oder im Hausflur. Beim Abendessen erzählen unsere Kids so laut von ihren Erlebnissen oder stellen ihre eigentlich tollen Fragen zum Grundverständnis der Welt in einer Lautstärke, dass wir Eltern kaum klar denken können. Auch ein Klassiker: Ihr seid unterwegs und dein Kind fragt dich etwas – und das so laut, dass auch alle Menschen um euch herum wirklich JEDES Detail mitbekommen.

 

Uns Eltern ist eine solche Situation vielleicht manchmal unangenehm oder wir fühlen uns durch die Lautstärke, in der unsere Kinder reden, gestresst. Doch wieso reden Kinder so laut?

Warum es gut ist, dass Kinder laut reden

Laut zu sein ist grundsätzlich wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder. Über eine laute Stimme lernen sie, sich in einer Gruppe zurechtzufinden und sich gegenüber anderen zu behaupten. Sie messen sich aneinander, setzen sich durch und verschaffen sich individuell Gehör. Wir Menschen haben alle das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstwirksamkeit. Laut sein hilft unseren Kindern dabei, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Nichtsdestotrotz sollten Kinder unbedingt auch gesellschaftlich anerkannte Normen wie zum Beispiel eine angemessene Sprechlautstärke erlernen.

Mögliche Ursachen für lautes Reden

Uns Eltern hilft es, zunächst einmal die Beweggründe zu kennen, warum unsere Kinder laut reden. Diese können sehr unterschiedlich sein. 

Zum einen ist das Alter deines Kindes entscheidend. Wenn dein Kind noch zu jung ist, um soziale Normen zu verstehen, weiß es nicht, wieso in manchen Situationen lautes Reden unerwünscht ist. Bei älteren Kindern kann es vorkommen, dass wir selbst gerade so sehr in ein anderes Gespräch vertieft sind, dass sie automatisch lauter reden, um unsere elterliche Aufmerksamkeit zu bekommen.

 

Eine andere Ursache für lautes Reden sind starke Gefühle unserer Kinder, wie zum Beispiel große Freude. Das langersehnte Weihnachtsgeschenk, der erste Schnee des Jahres oder das lustige Verkleiden mit der Freundin oder dem Freund – für Kinder gibt es glücklicherweise viele Gründe zur Freude. Oft ist ihre Freude jedoch so groß, dass sie ihre eigene Stimmlautstärke dabei vergessen. Auch, wenn Kinder aufgeregt oder neugierig sind oder ganz dringend etwas erzählen wollen, drücken sie dies oft über die Lautstärke aus.

Laut reden ist auch erlerntes Verhalten

Auch unser Verhalten als Eltern dient unseren Kindern als Vorbild. Manchmal erheben wir selbst unsere Stimme, um die Aufmerksamkeit unserer Kinder zu bekommen. Das schauen sich unsere Kinder von uns ab. Anhand unseres eigenen Verhaltens lernen sie so, wie sie die Aufmerksamkeit von anderen durch lautes Reden bekommen können.

 

Auch wenn das laute Reden unserer Kinder positive Seiten für ihre Persönlichkeitsentwicklung hat, wird uns ihr lautes Reden manchmal zu viel. Wir haben fünf Tipps für dich, mit denen du deinem Kind einen leiseren Umgangston vermitteln kannst.

Was tun, wenn Kinder laut reden? 5 Tipps

1. Lobe dein Kind

Lobe dein Kind in Situationen, in denen es leise mit dir spricht. Dadurch verstärkst du das “leise Reden” deines Kindes und verringerst gleichzeitig das laute Reden. Mehr zum Thema Loben findest du hier.

2. Spielt zusammen Stille Post

Dieses Spiel ist eine tolle Möglichkeit, um die Lautstärke deines Kindes zu trainieren: Setzt euch mit mehreren Personen in einen Kreis. Abwechselnd denkt sich eine Person einen Satz aus, den sie dem nächsten Mitspieler ins Ohr flüstert und so den Satz mit der Stillen Post durch die Runde schickt. Hat der Satz den letzten Spieler der Runde erreicht, spricht dieser ihn laut aus. Oft verändern sich die Sätze unterwegs und ergeben am Ende einen ganz anderen Sinn – Lachanfall vorprogrammiert!

3. Lies deinem Kind regelmäßig vor

Lest zusammen die Lieblingsgeschichte deines Kindes. Verstellt dabei die Stimme und wechselt zwischen laut, leise und flüstern. Dein Kind erkennt hierbei, wie unterschiedlich einsetzbar die Stimme ist. Zudem erlebt dein Kind, dass es nicht immer eine hohe Lautstärke einsetzen muss, um von uns Eltern Aufmerksamkeit zu bekommen.

4. Bestimmt gemeinsam das Lautstärke-Level

Teilt eure Stimmlage gemeinsam in Lautstärke-Level ein (Level 1 für leises Flüstern bis Level 10 für lautes Schreien). Erfrage bei deinem Kind, in welchem Lautstärke-Level es gerade redet. Antwortet es zum Beispiel mit 5, kannst du ihm vorschlagen: “Okay, schaffst du es, deine Stimme auf Lautstärke-Level 3 zu reduzieren?”. Ihr könnt auch verschiedene Lautstärke-Level für unterschiedliche Orte bestimmen. So wird im Haus zum Beispiel mit Lautstärke-Level 3 gesprochen und draußen mit 5 – je nachdem, wie es euch am besten passt. Dadurch entwickelt dein Kind ein besseres Gefühl für seine Sprechlautstärke und lernt, diese angemessen zu regulieren. Mehr zu dieser Übung findest du auf unserer Übungskarte zum Herunterladen.

5. Formuliere deine Sätze ohne “nicht"

Unsere Kinder hören manchmal nur die Aktionsworte. Das Wort “nicht” kommt oft gar nicht in ihrem Gehirn an. Sagst du zum Beispiel “Rede bitte nicht so laut!”, versteht dein Kind vielleicht nur “Rede laut”. Versuche stattdessen “Rede bitte leiser!” oder “Leiser, bitte!” zu sagen. Dadurch kommt die Botschaft schneller bei deinem Kind an.

Auch wenn es uns Eltern manchmal stresst, hat das laute Reden unserer Kinder auch etwas Positives: Es zeigt nämlich, dass sie sich trauen, laut zu reden. Sie sind ungehemmt und verschaffen sich Gehör. So drücken unsere Kinder ein gesundes Selbstvertrauen aus – und das ist uns mancher laute Ton allemal wert. 

Quellen
  • Lautstärke regulieren: https://www.berlin.de/special/familien/3072830-2864562-kind-ist-zu-laut-was-eltern-tun-koennen.html
  • Was dahinter steckt: https://www.chicagoparent.com/parenting/health/why-are-kids-so-loud/
  • Umgang mit Lautstärke: https://lifehacker.com/how-to-get-your-kid-to-speak-at-a-normal-human-volume-1825736973